IbizaHEUTE-Leser-Reporter Richard Weissborn besucht den Neuen Friedhof in Eivissa und berichtet über die Unterschiede zu deutschen und österreichischen Bestattungsritualen.
Wer an Ibiza denkt, denkt an Party, Jetset und schöne Strände, aber zum Leben gehört auch der Tod. Ibizas Hauptstadt Eivissa hat zwei Friedhöfe, den Barock anmutenden Cementiri Vell in der Nähe von Ses Figueretes und den etwas verborgenen Cementiri Nou. Insgesamt gibt es auf beiden Friedhöfen 4419 Nischen, 287 Kapellen, 40 Krypten und drei Gräber sowie 112 Kolumbarien.

Der Cementiri Nou ist der größte Friedhof Ibizas und versteckt sich in den Bergen hinter der Inselhauptstadt. Auf Satellitenbildern sieht er auf den ersten Blick wie eine Wohnsiedlung aus.

Während in Mitteleuropa die Erdbestattung die traditionsreichste Form ist, gibt es auf Ibiza die etwas andere Form der Bestattung: die Einbettung in Nischengräbern. Die Toten werden nicht unter der Erde, sondern über der Erde in verglasten Sargeinschubfächern bestattet, die bis zu fünf Stockwerke hoch sind.
Kaum Erdbestattung
Bei den Grabinschriften kann man die Namen der Verstorbenen lesen und auch Fotos anschauen, die die Toten zu Lebzeiten zeigen. Zur Zierde dienen Kunstblumen, Keramiktöpfe und kleine Christus- und Madonnenskulpturen.

Diese Nischengräber, stammen aus der antiken Tradition. Die Ursachen für diese Art der Bestattung sind unter anderem Platzmangel, aber auch klimatische Gründe: Das feucht-warme Klima am Mittelmeer würde das Verwesen des Leichnams unter der Erde verhindern. Das könnte zu Seuchen und Epidemien führen.
Familiengrüfte und Urnen
In den Nischengräbern, wo nur sehr selten Urnen aufbewahrt werden, findet mindestens ein kompletter Sarg (mit einbalsamiertem und in Grabtücher gehülltem Leichnam) Platz. Neben den Nischengräbern gibt es aber auch als Mausoleum gestaltete Familiengrüfte, in denen Sarkophage und Urnen aufbewahrt werden.

Die Nischengräber beweisen, dass der Verlust eines Menschen auf Ibiza genauso schwer wiegt wie in anderen Ländern. Er bedeutet Schmerz, egal wo er eintritt, auch auf Ibiza, der berühmten Partyinsel.



