Zwei junge Deutsche wurden in eine Bar in Santa Eulària betäubt, zusammengeschlagen und ausgeraubt. Danach irrten sie über die Insel, einer von ihnen drei Tage lang – ohne Essen und Orientierung.
Sophia und Samuel, die zufällig von dem Fall erfuhren und eine großangelegte Suche starteten, schrieben diesen Bericht:
In den vergangenen Tagen herrschte große Sorge um den 26-jährigen Justin Freier aus Deutschland, der seit der Nacht von Samstag auf Sonntag auf Ibiza als vermisst galt. Zahlreiche Menschen beteiligten sich an der Suche, teilten Aufrufe in sozialen Netzwerken und unterstützten vor Ort, bis Justin schließlich am Dienstagmittag gegen 12:30 Uhr wohlbehalten bei der nationalen Polizeiwache in Ibiza-Stadt auftauchte.
Justin befand sich gemeinsam mit seinem Freund Sven (32) im Urlaub in Santa Eulalia. Am Samstagabend gingen die beiden in eine Karaoke-Bar am Hafen von Santa Eulalia, um etwas trinken zu gehen. Beide erinnern sich noch daran, an der Bar aus grünen Bierflaschen getrunken zu haben – vermutlich Alhambra-Bier. Danach brechen die Erinnerungen bei beiden nahezu vollständig ab.
Aufgrund dieses massiven Black-outs besteht bei beiden der dringende Verdacht, dass ihnen K.-o.-Tropfen verabreicht wurden. Keiner der beiden kann sich an den weiteren Verlauf des Abends erinnern.
Von der Karaoke-Bar existieren Videoaufnahmen, auf denen zu sehen ist, wie Sven mit einem Stuhl über den Kopf geschlagen wird. Dieses Videomaterial wurde am darauffolgenden Tag von der Polizei sichergestellt. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden Justin und Sven in der Bar zusammengeschlagen und ausgeraubt.
Mit dem Unfallwagen ind Krankenhaus
Beide Männer wurden anschließend von Rettungskräften mit einem Krankenwagen versorgt. Laut Aussage der Sanitäter stieg Justin während der Fahrt in Ibiza-Stadt aus dem Krankenwagen aus und verschwand, während Sven ins Krankenhaus Can Misses gebracht wurde, wo er kurz behandelt wurde. Beide offensichtlich orientierungslos von dem, was man ihnen eingeflösst hatte.
Sven selbst erinnert sich nur noch an zwei Momente dieser Nacht:
– dass er sich im Krankenhaus befand
– und dass er später auf der Burg von Ibiza (Dalt Vila) aufgewacht sei
Von seinem Freund Justin fehlte zu diesem Zeitpunkt jede Spur. Ihm wurden Handy und Portemonnaie gestohlen, zudem wurde er stark zusammengeschlagen. Justin war zuvor noch nie auf Ibiza, und es handelte sich um seine erste Nacht, in der er dort ausging. Er war also völlig hilflos auf der Insel, wusste nicht, wo er war, in welchem Hotel und Ort er angekommen war.
Als Justin schließlich wieder auftauchte, wurden deutliche Verletzungen festgestellt: ein stark angeschwollenes Gesicht, ein blaues Auge sowie weitere Verletzungen und Schürfungen. Zudem humpelte er deutlich. Sowohl Justin als auch Sven gehen davon aus, dass sie nicht nur angegriffen, sondern auch am Boden liegend weiter getreten wurden, da beide Prellungen im Unterkörperbereich aufweisen.
Hilferufe über Facebook – zunächst ohne Erfolg
Nachdem Sven am Sonntagnachmittag wieder einigermaßen bei klarem Bewusstsein war, startete er einen öffentlichen Suchaufruf auf Facebook, um seinen Freund Justin zu finden. Unterstützt durch hilfsbereite Personen wurden alle Krankenhäuser und Polizeistationen in Ibiza-Stadt aufgesucht – jedoch zunächst ohne Erfolg.
Über einen dieser Facebook-Beiträge kamen schließlich wir – Samuel und Sophia – mit Sven in Kontakt. Nach einem Gespräch boten wir ihm unsere Hilfe an. In der Nacht von Montag auf Dienstag machten wir uns gemeinsam erneut auf die Suche, durchkämmten den Hafenbereich sowie die Innenstadt von Ibiza-Stadt und standen in Kontakt mit mehreren Polizeibeamten.
Dabei erhielten wir einen wichtigen Hinweis: Justin soll am Montagmorgen gegen 4:00 Uhr im Bereich des Hafens gesehen worden sein, offenbar verwirrt und orientierungslos umherlaufend. Trotz dieses Hinweises blieb sein Aufenthaltsort zunächst unklar.
Große Erleichterung, als Justin wieder auftauchte – ohne Erinnerung
Die große Erleichterung folgte schließlich am Dienstagmittag, als Justin gegen 12:30 Uhr selbstständig bei der nationalen Polizeiwache in Ibiza-Stadt erschien. Damit nahm eine für alle Beteiligten äußerst belastende Suche ein glückliches Ende.
Der Vorfall zeigt auf erschreckende Weise, wie schnell ein scheinbar harmloser Urlaubsabend in eine gefährliche und lebensbedrohliche Situation umschlagen kann – insbesondere, wenn der Verdacht auf K.-o.-Tropfen und gezielte Gewalt besteht. Gleichzeitig macht dieser Fall deutlich, wie wichtig Zusammenhalt, Aufmerksamkeit und gegenseitige Unterstützung sind.



