Hunderte Menschen verfolgten das WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien beim Public Viewing auf der Plaça d’Antoni Albert i Nieto in Ibiza-Stadt. Unter den Zuschauern waren viele Familien und junge Leute, überwiegend spanische Fans. Die argentinische Community hatte sich zu einem eigenen Public Viewing in Es Figueretas versammelt. IbizaHEUTE Reporter Thomas Hofmann war mittendrin.
Schon vor dem Anpfiff war die Stimmung gespannt, aber entspannt. Während des Spiels wurde mitgefiebert, gezittert und immer wieder laut angefeuert. Spanien bestimmte über weite Strecken die Partie, doch die Entscheidung ließ lange auf sich warten. Erst kurz vor dem Ende der Verlängerung fiel das erlösende 1:0.
In diesem Moment brach auf dem Platz großer Jubel aus. Die Erleichterung war ebenso deutlich zu spüren wie der Stolz auf eine junge Mannschaft, die ohne große Starallüren auftritt und mit ihrem Fußball viele Menschen begeistert. Nach 16 Jahren sicherte sich Spanien damit den zweiten WM-Titel seiner Geschichte und den zweiten Stern auf dem Trikot.
Ein rot-gelbes Fahnenmeer in Ibiza-Stadt
Nach dem Schlusspfiff zog die Feier weiter in die Straßen. Auf der Avenida España bildete sich ein großer Autokorso. Hupende Fahrzeuge rollten im Schritttempo durch die Stadt, aus den Fenstern wurden spanische Fahnen geschwenkt und immer wieder war das Lied „¡Que viva España!“ zu hören.
Ich mischte mich unter die Fans und gratulierte vielen von ihnen zum Titelgewinn. Besonders positiv fiel mir die angenehme und respektvolle Stimmung auf. Die meist jungen Menschen feierten ausgelassen, aber friedlich. Auch einzelne Bengalos wurden gezündet, ohne dass es zu Ausschreitungen oder größeren Zwischenfällen kam.
Viele Fans sprachen von einem emotionalen Endspiel und von einer Mannschaft, die ihnen große Freude bereitet. Ich konnte mir dabei den Hinweis nicht verkneifen, dass Dani Olmo, einer der Leistungsträger Spaniens, zwei Jahre in Deutschland für RB Leipzig gespielt hat. Gleichzeitig waren sich mehrere spanische Anhänger einig, dass auch Deutschland über viele gute Einzelspieler verfügt und künftig wieder eine wichtige Rolle spielen könnte. Mit Blick auf 2030 erwähnte ich Jürgen Klopp, von dem ich mir persönlich viel verspreche.

Faire Argentinier und Gespräche über mehr als Fußball
Später traf ich noch einige argentinische Fans. Sie zeigten sich als faire Verlierer und räumten offen ein, dass von Lionel Messi und seiner Mannschaft an diesem Abend zu wenig zu sehen gewesen sei. Einer von ihnen meinte sinngemäß, wenn man schon verlieren müsse, dann sei Spanien zumindest ein würdiger Gegner.
Nach den Feierlichkeiten trank ich noch ein Bier mit einigen Argentiniern. Eigentlich saßen dort nur Verlierer: Sie hatten gerade das Finale verloren, und ich als Deutscher hatte das Ausscheiden meiner Mannschaft bereits deutlich früher gegen Paraguay erlebt. Schnell ging es jedoch längst nicht mehr nur um Fußball. Ganz selbstverständlich entwickelte sich ein Gespräch über Politik und das Weltgeschehen.
Ein besonderer Kreis schließt sich
Für mich persönlich hatte dieser Abend eine besondere Bedeutung. Im Jahr 2010 kam ich als Resident nach Ibiza – genau in dem Sommer, in dem Spanien zum ersten Mal Fußball-Weltmeister wurde. 16 Jahre später durfte ich nun auch den zweiten Titelgewinn auf der Insel miterleben.
Damals wie heute war es eine besondere spanische Mannschaft, die den Titel verdient gewann. Vor allem diese junge Generation macht Spaß: talentiert, spielstark und ohne übertriebene Starallüren.
Ausgerechnet ein Taxifahrer aus Paraguay
Auf dem Heimweg wartete schließlich noch eine passende letzte Anekdote. Mein Taxifahrer kam aus Paraguay – ausgerechnet aus jenem Land, gegen das Deutschland bei dieser Weltmeisterschaft ausgeschieden war.
Natürlich dauerte es nicht lange, bis wir über Fußball sprachen. Doch auch dieses Gespräch ging bald darüber hinaus. Wir unterhielten uns über Politik, das Leben auf Ibiza und die unterschiedlichen Perspektiven auf das Weltgeschehen.
Die Weltmeisterschaft hatte über mehrere Wochen hinweg das öffentliche Leben geprägt. An diesem Abend zeigte sich jedoch vor allem ihre verbindende Seite. Spanier, Argentinier, Paraguayer, Deutsche und Menschen vieler weiterer Nationen kamen miteinander ins Gespräch, lachten, diskutierten und feierten friedlich.
Am Ende blieb der Eindruck eines sehr schönen Abends mit glücklichen Spaniern, fairen Verlierern und einer Atmosphäre, die zeigte, dass Fußball auch Völkerverständigung sein kann.
Hier einige Eindrücke der gestrigen langen Fußballnacht:
Fotos und Videos: IbizaHEUTE/Thomas Hofmann





