Liebe Leser,

das angekündigte Unwetter ist da auf Ibiza. Blitze zucken über den drohend schwarzen Himmel. Gewitter-Böen fegen durch die Pinien und lassen die Wedel der Palmen rauschen. Dazu peitscht der Regen gegen die Fensterscheiben. Ja, im Herbst kann es auch mal ungemütlich werden auf Ibiza und Formentera. Aber anders, als wir es von Deutschland kennen. Wo sich das schlechte Wetter auch mal tagelang festsetzt, ist hier alles in zwei Tagen vorbei. Dann strahlt wieder die Sonne vom makellos blauen Himmel. Und es ist selbst im Spätherbst und Winter so warm, dass man im T-Shirt am Strand sein kann.
Auch da sind wir glückliche Inseln. Manchmal wird einem dieses wunderbare Leben hier im Mittelmeer nicht mehr bewusst. Es ist zur Gewohnheit geworden. Man nimmt das Schöne als selbstverständlich hin, empfindet aber die Schattenseiten dann viel stärker. Das wurde mir am Freitag bewusst. Ich hatte ein Treffen zum Interview mit Peter Pionke. Er ist Chefredakteur des Online-Mediums „DIE STADTZEITUNG“ mit Sitz in Wuppertal mit großer Liebe zu Ibiza. Das fing damit an, dass er im August 1987 als Reporter des „Kölner Express“ zur Hochzeit von Nina Hagen auf die Insel geschickt wurde.
Die Zeit als Polizei-Reporter in Köln
Auch da verbinden Peter und mich jetzt neu entdeckte Gemeinsamkeiten. Ich war ein paar Jahre früher Polizei-Reporter beim „Express“. Es war eine aufregende Zeit. Ich deckte einen Bankraub auf, überführte den Täter, schleuste mich in Drogenbanden ein und bekam vom Innenminister einen Waffenschein für einen Revolver, weil Gangster drohten, sich zu rächen: „Für dich haben wir nur noch Messer oder Pistole.“ Lange ist es her, und echte Anschläge auf mein Leben gab es zum Glück nicht.
Doch zurück zu den Worten von Peter Pionke, der mich für seine Ibiza-Seite in seiner DIE STADTZEITUNG interviewte. Er sagte: „Manchmal habe ich den Eindruck, du bist zu kritisch mit dem neuen Ibiza und hängst sehr an der Insel der 1970er Jahre.“ Ja, ich erinnere mich gerne an das alte Ibiza, an die Insel ohne schicke Beach-Clubs, ohne 5-Sterne-Hotels, ohne Schnellstraßen, Parkplatznöte und Restaurants, wo ein Abendessen zu zweit auch mal 500 Euro kosten kann. Damals genügten der Teller voller Gambas für umgerechnet 5 Euro und das Glas Landwein für – wieder umgerechnet – 1,50 Euro.
Es sind Erinnerungen wie an die eigene Jugend. Man weiß: Es war eine schöne Zeit, aber die kommt nie mehr zurück. Und wie es bei Erinnerungen so ist, man vergisst gerne die Sachen, die nicht so toll waren. Und davon gab es auch in den scheinbar schönen alten Ibiza-Zeiten eine Menge. Da liefen die Abwässer der Stadt ungeklärt direkt in den Hafen, was bestialisch stank. Die ärztliche Versorgung war eine Katastrophe. Für das Telefongespräch nach Deutschland musste man ins Hauptpostamt, um nach endloser Wartezeit in einer stickigen Holzzelle so zu brüllen, dass man eigentlich kein Telefon brauchte.
Ibizas Flughafen war eine Graspiste
Der Flughafen war eine Graspiste. Man musste so lange im Flugzeug warten, bis der Staub der Landung verflogen war. Wenn man nötig ein Taxi brauchte – zum Flughafen oder zum Arzt –, irrte man durch die Straßen, um eins zu finden. Taxizentrale gab es nicht. Und wenn wir in unserem roten Jeep zum Essen zu Toni nach Santa Agnès fuhren, ging es über Sant Mateu über einen Camino, dessen Schlaglöcher uns an die Autodecke schießen ließen.
Und es waren die dunklen Zeiten der Franco-Diktatur. Der Kuss auf der Straße wurde mit umgerechnet 20 Euro bestraft, oben-ohne am Strand mit einer Nacht Gefängnis. Und bei jeder Begegnung mit der gefürchteten Guardia Civil hatte man ein ungutes Gefühl, zuweilen auch mal Angst. Rettungsschwimmer am Strand? Natürlich nicht! Der Krankenwagen kam nach einer Stunde oder zwei, wenn man Glück hatte. Statt Blaulicht und Unfallwagen, ließ man bei Notfahrten ein weißes Tuch aus dem Autofenster flattern. Und die Insulaner hatten panische Angst vor dem Krankenhaus. Weil sie befürchteten, nie mehr lebend zurückzukommen…
Ja, so war Ibiza damals: wunderbar und einmalig einerseits – furchtbar andererseits. Und wie ist es heute? Wir haben zwei funktionierende Kliniken. Wenn wir ein Taxi wollen, drücken wir auf die App oder rufen in der Zentrale an. Das Wasser im Hafen ist klar. Am Meer wachen Rettungsschwimmer. Bei den Restaurants und Supermärkten mit den funktionierenden Kühlketten braucht man kaum noch Angst vor heftigen Magenverstimmungen zu haben. Wir haben über WLAN und Handy perfekte Kommunikationswege, funktionierendes Fernsehen und sauberes Trinkwasser.
Ibiza ist einmalig – heute wie früher
Aber was früher wie heute ist: Wir haben diese wunderbare Natur der Insel mit den rund 50 traumhaften Buchten, dem türkisfarbenen Wasser, den Stränden. Mal weißer Sand, mal wilde Felsen. Die urigen Hütten der Fischer gibt es noch immer, auch die – inzwischen moderneren – Strandbuden. Und die Gassen der Festungsstadt haben sich auch nicht verändert. Gut, am Platz gleich hinter der Burgmauer gibt es statt der zwei kleinen Restaurants von 1970 jetzt 20. Aber das ist eine große Auswahl, ein buntes Bild und noch immer romantisch, besonders am Abend.
Wenn Sie mich fragen, wie es mein Kollege Peter Pionke getan hat: „Welches Ibiza ist dein Ibiza, das von früher oder das von heute?“ Dann ist meine Antwort: „Beide!“ Ich erinnere mich gerne an das alte Ibiza, das ich 1968 als Reporter entdecke. Ich liebe auch das neue Ibiza, in dem ich heute glücklich lebe.
Ich liebe es besonders im Herbst und im Winter. Denn dann ist Ibiza – und ganz besonders Formentera – ein wenig wie früher: Die Strände gehören Ihnen und mir fast alleine. Die Natur atmet nach der stressigen Hitze des Sommers und dem Regen auf. Beim Spaziergang am Meer duftet es nach Salz und der See, beim Wandern im Norden nach Pinien und den Kräutern der Insel. Und abends ist das Bummeln durch die Gassen der Altstadt einfach wunderbar. Ich war damals glücklich, auf der Insel zu leben – und bin es heute auch. Ich möchte an keinem anderen Platz auf dieser Erde sein als auf „meiner“ Insel.
Der Winter auf Ibiza und Formentera ist traumhaft
Wenn ich Ihnen jetzt Lust auf Ibiza und Formentera gemacht habe, dann ist mein Vorschlag: Kommen Sie rüber. Die Inseln sind im Winter nicht langweilig, sondern voll buntem Leben. Es gibt die Dorffeste, die Musikkonzerte, die Wanderungen, die Radtouren. Es gibt die Museen, die Galerien, auch Restaurants am Strand, mit Blick aufs Meer, das in der warmen Wintersonne glitzert…
Wir von IbizaHEUTE helfen Ihnen mit unserem gedruckten Magazin und unserer Online-Seite (ibiza-heute.de) mit dem großen Veranstaltungs-Kalender und jeden Tag neuen Meldungen, die Insel zu erleben. Und wenn Sie nicht hier sind, träumen Sie gerne mit IbizaHEUTE von Ihrem nächsten Urlaub auf Ibiza oder Formentera.





