Liebe Leser,

als Journalist ist man ja viel gewohnt. Auch und besonders, wenn es um die Versprechen der Politiker geht. Die haben schon Fake News erfunden, bevor es das Wort überhaupt gab. Aber jetzt muss selbst ich die Luft anhalten. Es geht um unsere Meldung in IbizaHEUTE Online vom 7. Dezember, dass die Balearen ab 2030 ihren Strom nur noch mit erneuerbaren Energien produzieren wollen. Ab 2030. Das ist in nur sechs Jahren! Aber die Balearen-Regierung hat es bei der EU versprochen. Und – Sie haben es bestimmt schon vermutet – da locken viele Millionen Euro an Zuschüssen aus Brüssel.
Nun schauen wir mal den Tatsachen ins Gesicht. Wie sieht es aktuell mit der erneuerbaren Energie auf den Balearen aus? Da kann bisher Formentera mit 16,5 Prozent Energie aus Sonne und Wind ein wenig punkten. Danach wird es dunkel bis schwarz, das Wort passt zur „schmutzigen Energie“. Mallorca kommt auf mickrige 5,4 Prozent erneuerbare Energie, Menorca auf noch mickrigere 2,3 Prozent – und Ibiza auf lächerliche 0,32 Prozent. Ja, Sie lesen richtig: 0,32 Prozent. Dann muss die Insel bis 2030 – also in 6 Jahren – exakt 99,68 Prozent ihrer Energie aus bisher fossilen Brennstoffen gewonnen, auf Sonne und Wind umstellen.
Gut, es werden vielleicht ein paar Prozent weniger sein, weil zwei Solarparks auf Ibiza ans Netz gehen. Aber wie soll diese Lücke zu 100 Prozent geschlossen werden? Wahrscheinlich nur, wenn wir alle unser Auto stehen lassen, den Kühlschrank abstellen, auf Wäsche waschen und warme Duschen verzichten und auch die Straßenbeleuchtung ausmachen. Aber, Scherz beiseite: Was ist denn das für ein Optimismus, sich bei der EU mit dem Argument zu bewerben: Wir sind in 6 Jahren unabhängig von Benzin, Öl und Kohle.
Natürlich schielte man wohl nicht zuletzt auf das Geld aus Brüssel. Die EU wird den Geldbeutel ganz weit öffnen, um die Balearen mit Millionen und aber Millionen zu unterstützen. Muss man Geld eigentlich zurückzahlen, wenn man Versprechungen macht, die man nicht einhalten kann? Im seriösen Geschäftsleben wohl ja. Und in der Politik? Eher nein, schätze ich. Und dann gibt es ja noch immer die Ausrede: Das hat mein Vorgänger versprochen. Oder: Das war eine andere Partei, die das zugesagt hat.
Wenn es um angebliche Erfolge geht, müssen auch mal falschen Behauptungen her
Aber es kommt noch dicker. Und das erinnert mich an politische Real-Satire. Mit dem positiven Unterstützungs-Bescheid der EU in der Tasche verkündete der zuständige Balearen-Minister für Energie mit dem klangvollen Namen Alejandro Sáenz de San Pedro: Das sei die Anerkennung der EU für die gute Klima-Politik der Balearen-Ministerpräsidentin Marga Prohens! Wie bitte? Marga Prohens ist nach den Wahlen erst seit Juni 2023 im Amt. Und in einem halben Jahr hat sie die langsam malenden Mühlen der EU-Bürokratie dazu gebracht, die Inseln als leuchtendes Beispiel für hervorragende Umwelt-Politik zu belohnen? Wohl kaum. Da schmückt sich doch wer mit fremden Federn. Die Energie-Gesetze für die Balearen hat ihre Vorgängerin Francina Armengol auf den Weg geschickt. Übrigens, gegen den massiven Widerstand und reichlich belächelt von der jetzigen neuen Regierung. Das Ganze ist mehr als peinlich!
Wie die Zahlen zeigen, gebracht haben die Energie-Vorschriften und Gesetze der alten Regierung nicht viel – nämlich auf Ibiza peinliche 0,32 Prozent Strom aus erneuerbarer Energie. Dazu kommt, dass Strom aus Solar auf den Balearen – und wohl in ganz Spanien – über viele Jahre von der übermächtigen Strom-Industrie mithilfe der Politik bekämpft wurde. Ich erinnere mich noch, dass man auf Ibiza – anderswo wird es nicht anders gewesen sein – „Strafe“ an die Strom-Gesellschaften zahlen musste, wenn man seine Energie über die Sonne abdecken wollte.
Versprechen von sauberer Energie – aber defekte Ladestationen für E-Autos
Auch die vielen defekten Ladestationen für E-Autos auf Ibiza zeugen nicht gerade von verantwortungsvoller Klima-Politik. Und dass es plötzlich heißt: E-Auto-Besitzer müssen jetzt für das Stromladen auf Ibiza und den Balearen zahlen, passt ebenfalls nicht in das Bild der Energiewende! Nachdem man erst Autofahrer zu E-Autos mit dem Argument „frei laden“ zum Kauf von Elektroautos verführt hat, werden sie jetzt zur Kasse gebeten – und werden beim nächsten Autokauf wohl auf das „E“ verzichten und zum Verbrenner greifen.
Aber ich möchte mich nicht weiter ärgern. Die Sonne scheint, es wird ein toller Sonntag auf Ibiza und Formentera. Warten wir ab, wie „rasend schnell“ es in den kommenden Jahren mit der Energie-Umstellung auf den Balearen geht. Aber ich frage mich: Warum machen Politiker Versprechungen, von denen eigentlich jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch sagt: Das kann nicht funktionieren! Das trifft aber leider nicht nur auf Spanien zu. Was zurzeit die Regierungs-Koalition in Berlin an Politik bietet, ist eher noch schlimmer …
Genug davon! Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende – und wenn ich die steigenden Zahlen von Erkältungen und Corona sehe, an denen auch viele Freunde in Deutschland erkrankt sind, ist mein ganz großer Wunsch: Bleiben Sie gesund!
Herzlichst Ihr Dieter Abholte