Liebe Leser,

es ist heiß auf Ibiza und Formentera. Da gibt es für viele von uns eigentlich nur eine Richtung: ans Meer. Das ist mit 27 Grad herrlich und kühlt zumindest etwas ab. Und was braucht man am Strand, wenn einem das Betttuch im Sand nicht reicht: eine Liege plus Sonnenschirm! Und damit beginnt für so machen Liegenvermieter – dahinterstehen auch mächtige Unternehmen – das große Geschäft. Zwar sind die Preise für die Liegen von der jeweiligen Gemeinde vorgegeben – in Santa Eulària und Sant Josep sind es 10 Euro, in Sant Antoni und Sant Joan 7 Euro, in Eivissa 6 Euro – aber das lässt sich doch umgehen, um mehr zu verdienen.
Und davon wird reichlich Gebrauch gemacht. Statt der früher eher einfachen Liegen stehen immer öfter Luxus-Möbel am Strand mit dicken Auflagen und schneeweißen Bezügen. Kosten natürlich mehr, dürfen aber nicht mehr kosten. Aber da gibt es ja die Tricks – illegal – aber wirksam. Verlangt der Liegenvermieter mal eben 30 Euro statt der erlaubten 10, und Sie weisen auf die korrekten Preise hin, kommt prompt der Satz: „Sorry, alle Liegen sind reserviert.“ Nun können Sie sich überlegen: Legen Sie sich in praller Sonne mit Ihrem Handtuch in den Sand oder zahlen Sie die 3 mal 30 Euro für zwei Liegen und den Sonnenschirm. Die meisten zahlen…
Natürlich kann man, wie von den Gemeinden proklamiert, die Polizei rufen. Aber die wird nicht in fünf Minuten da sein. Und die Polizisten können dem Vermieter garantiert nicht nachweisen, dass seine Liegen nicht schon reserviert sind.
Es gibt noch andere Tricks, mit Strandliegen reichlich illegales Geld zu machen. Sehr beliebt ist die Kopplung der Liege mit dem Garantie-Verzehr. Ja, Sie bekommen die Liege an den Sonnenuntergangs-Stränden der Gemeinde Sant Josep für die vorgeschriebenen 10 Euro – wenn, ja, wenn Sie für 100 Euro zusätzlich verzehren. Da bringt Ihnen der Service gern die Flasche Cava an die Liege, oder im Restaurant wird der Tisch für Sie gedeckt.
Illegal? Natürlich! Aber wie wollen Kontrolleure, die wirklich mal unterwegs sind, dies dem Liegenvermieter und der angeschlossenen Strandbude oder dem Beach-Restaurant nachweisen? Kaum eine Chance, oder der Kontrolleur müsste selbst als Mieter auftreten. Zu kompliziert und außerdem sind die Kontrolleure am Strand bekannt, was übrigens auch für die nervigen illegalen Strandhändler gilt. Die kommen, obwohl schon dreimal erklärt „nein danke, ich kaufe nichts“, auch ein viertes, fünftes und sechstes Mal. Aber das ist ein anderes Thema.
Ein anderer Trick, um an die Liege in erster Reihe zu bekommen, ist das Trinkgeld. Einer meiner engen Bekannten erzählt das so: „Ich habe mich immer gewundert, weshalb wir nicht die guten Liegeplätze bekommen, obwohl wir schon die überhöhten Preise ohne Murren gezahlt haben. Da bekam ich mit, wie das geht: Du steckst dem Vermieter einen Fuffziger zu, schon hast du deine Liege herrlich direkt am Meer.“ Ohne das üppige Trinkgeld ist natürlich vorn schon alles reserviert…
Hinter dem Kampf um den Chiringuito in der Cala Llenya, wo lange auf der Kippe stand, ob der alte Inhaber wieder die Konzession bekäme, stand auch eine Firma, die Liegen vermietet – Luxusliegen – und schon bei den Buchten von Sant Josep dick im Geschäft ist. Esteban, der alte und zum Glück neue Betreiber, sagte beim Gespräch mit IbizaHEUTE: „Die gehen so vor: Erst wollen Sie die Konzession für die Liegen haben, dann für unsere traditionellen Chiringuitos und Familienbetriebe, dann für den ganzen Strand. Sie drängen uns mit hohen Geldangeboten raus. Und dann läuft das so, dass die Liegen nur vermietet werden, wenn man gleichzeitig 100 oder mehr Euro für Essen und Trinken ausgibt. In einigen Westbuchten beherrschen sie schon alles, verdienen damit Millionen und drängen uns als alte kleine Familienunternehmen raus.“
Ich denke, da ist die Politik gefragt. Ich weiß, dass es schwierig ist, Nachweise von Betrug und Absprache zu bringen. Aber vielleicht wäre ein erster Schritt, dass Konzessionen für Chiringuitos, Liegen und Tretboote nur an Familienbetriebe der Insel vergeben werden. So blieb die Tradition erhalten – und die Investoren vom Festland, die hier das große Geld machen wollen, blieben draußen.
Übrigens war ich heute Morgen schon am Meer. Kurz zum Schwimmen. Da hat mir mein Handtuch im Sand gereicht. War ein wenig wie früher, als es kaum Liegen an den Stränden gab. Heute sieht man ja – wie in der Cala Llenya – vor lauter Liegen den Strand kaum noch. Da gibt es kaum Platz für das Handtuch. Auch das sollte nicht sein, denke ich. Wie sehen Sie das?
Ich wünsche Ihnen einen guten Sonntag und passen Sie auf sich auf. Wir haben Hitze-Warnstufe GELB!
Herzlichst, Ihr Dieter Abholte



