Kuschelig und humorvoll

Zuwachs auf Ibizas Alpaka-Farm

Wir haben die Alpaka-Farm bei Sant Carles besucht. Pünktlich zur Weihnachtszeit sind dort drei Babys auf die Welt gekommen, die Weibchen Piaf und Badu und das Männchen Sinatra. Herzlich willkommen! Und hier folgt die Geschichte der Farm.

Sie beginnt mit einem Traum: Das belgische Ehepaar San und Bart wollte auf Ibiza leben, Alpakas züchten und aus der Wolle exklusive Kleidung weben. Ein Abenteuer, das gelingt. Die kleine Kamelart gedeiht prächtig auf der Insel, die ehemalige Krankenschwester und der frühere Journalist sind mit dem nachhaltigen Alpaka-Hof und dem Verarbeiten der flauschigen Wolle glücklich beschäftigt.

Die orangefarbenen und braunen Alpacas fressen Bart (r.) und der Redakteurin (l.) aus der Hand. Foto: Enrique Lejárraga

Die erste und einzige Alpaka-Farm auf Ibiza, lautet eine Schlagzeile. Mit fünf Tieren aus Belgien fingen San und Bart an, heute haben sie 19 langhalsige putzige Vierbeiner und mit den Babys 22. Tatsächlich kümmert sich mit Zuchthengst Lewis ein ausgewiesener Europameister um den Nachwuchs.

Friedlicher als Lamas

Alpakas sind friedlicher und lieblicher als die Lamas, ihre Cousins und Cousinen. Aber auch sie stammen aus den Anden Perus. Sie spucken nicht Menschen an, aber untereinander kann das schon als Zurechtweisung vorkommen. Sie sind nicht laut, sondern summen oder grunzen höchstens ein bisschen.

Piaf ist im Dezember geboren. Foto: Alpacas Ibiza

Ihre dicke Wolle ist genial: Sie schützt gleichermaßen vor Wärme und Kälte, ist wasserabweisend, haltbar und nicht brennbar und muss nicht gewaschen werden. Auslüften reicht. Nachhaltiger geht es kaum. Ein Tier gibt zwischen drei und zehn Kilo Wolle im Jahr. Die auf Ibiza produzieren sehr hohe Qualität. Das bedeutet auch, dass die Wolle nicht kratzt.

San webt kostbare Stoffe und schneidert sehr attraktive Kleidungsstücke. Dass diese bei berühmten Djs und der belgischen Königsfamilie gut ankommen, ist kein Wunder. Aber hinter jedem exklusiven Stück steckt sehr harte Arbeit. Sie benutzt einen zimmergroßen Webstuhl aus Massivholz, kennt sich mit alten Mustern aus und webt oft wochenlang an einem Stoff. Manchmal mischt sie Alpaka-Wolle mit Seide oder Mohair, manchmal färbt sie auch mit Blumen (Hibiskus) oder Obst (Avocado). Oft bleiben aber die Naturtöne in den verschiedenen Nuancen.

Auch der nur wenige Wochen alte Hengst Sinatra ist schon ganz perfekt. Foto: Alpacas Ibiza

Der stolze weiße King Lewis wird zusammen mit dem kastrierten Macho Mojo gehalten. Mojo ist für ein Alpaka außergewöhnlich groß, und so kann sich der kleinere, aber erwiesenermaßen wichtige King austoben, ohne über die Stränge zu schlagen. Die Alpakas ringen sich mit den langen Hälsen nieder, bis der Unterlegene im Sand liegt. Man muss also genau wissen, wen man zusammen in ein Gehege stellt. Ihre Zehen garantieren Standfestigkeit, sie schlagen aus wie Esel und galoppeln wie Pferde.

Auf dem roten Erdboden liegen in einem abgetrennten Gehege gemächlich kauend die Stuten und Jungstuten. Sie haben von Dunkelbraun bis Orange außergewöhnliche Farben. Alpakas gibt es von Weiß bis Schwarz mit Grau-, Braun-, Beige-Abstufungen in 22 Farbtönen. Orange ist einzigartig. Das ist die nächste Schlagzeile: Auf Ibiza leben die einzigen Alpakas der Welt, deren Fell Orange ist. Das kommt von dem eisenhaltigen roten Boden, auf dem sie sich suhlen und den das Fell aufnimmt. Auswaschen könne man das nur mit Chemie und das wollen wir nicht, erklärt Bart.

Den ganzen Tag futtern. Foto: Enrique Lejárraga

Alpacas kauen den ganzen Tag

Die Alpakas kauen den ganzen Tag Heu und Luzerne, zwei Kilo pro Tier, morgens und abends gibt es noch zusätzliches Futter, damit sie die nötigen Vitamine und Mineralien aufnehmen. In Deutschland und Belgien grasen sie, aber auf Ibiza wächst nicht genug. Im Gegensatz zu Schafen und Ziegen, sind Alpakas anspruchsvoller.

Das Futter importieren Bart und San vom Festland. Um die Tiere im Hochsommer zu duschen, kommt ein Wasserwagen. Einmal im Jahr muss ein Expertenteam die Tiere scheren. Die Veterinäre müssen bezahlt werden. „Die Arbeit mit Tieren ist kein Unternehmen, um Geld zu verdienen“, erklärt Bart und lacht. Ein bisschen kommt herein, weil sie den Dünger der Tiere verkaufen. Der ist sehr wirksam und riecht nicht mal schlecht. Als „Schwarzes Gold“ bezeichnen ihn die Andenvölker.

Weshalb es keine wilden Alpakas gibt…

Das Scheren ist nicht nur angesagt, wenn man Wolle will, sondern lebenswichtig für die Tiere. Nach zwei Jahren wären sie wegen des Gewichts sonst unbeweglich und stürben. Deshalb gibt es keine wilden Alpakas, auch in Peru nicht. Sie sind alle domestiziert.

Der Zuchthengst King Lewis. Foto: Enrique Lejárraga

Wenn sie einmal im Jahr geschoren werden, können sie 25 Jahre alt werden. Gleichzeitig werden ihre Zähne und Nägel gekürzt und Impfungen verabreicht. Das geschieht alles in den 10 bis 15 Minuten, in denen sie auf einem Tisch zum Scheren festgebunden werden. „Wir wollen den Stress so kurz wie möglich halten“, so Bart. Zweimal im Jahr kommt der Tierarzt aus Belgien, um sie zu untersuchen und kleine Operationen durchzuführen. Er arbeitet zusammen mit einem Veterinär auf Ibiza, der sich vor Ort kümmert.

Die Jungtiere sind in einem dritten Gehege untergebracht, kommen aber ebenfalls neugierig näher. Etwas Luzerne lassen sie sich gerne reichen und zuppeln die ganze Zeit an den Gräsern. Das Fell ist weich und dicht. Die Augen blicken unergründlich dunkel. Zähne haben sie nur unten, was ihren Köpfen ein humorvolles Aussehen verleiht. Einer, Chet (Baker), hat sogar einen Schnurrbart, auch das sei einzigartig.

Alter Bauernhof

Inmitten der Natur auf dem Weg zu Es Figueral hat das Ehepaar 2018 einen Bauernhof gefunden, der noch ganz ursprünglich ist. Die Besitzerin María wollte sich nach Jahrzehnten anstrengender Arbeit zurückziehen, wusste Pep Joan von der Familienpension Los Alocs. Er stellte den Kontakt her und sie unterstützte die Idee der Belgier mit offener ibizenkischer Art. Ibizas Insel-Regierung kontrolliert die Farm einmal im Jahr und ist zufrieden. Sie gibt Jahr für Jahr 10 von 10 Punkten, weil die Tiere so gut gehalten werden.

San im Web-Studio. Foto: Alpacas Ibiza

Welche Gefahren lauern?

Wir fragen nach den Gefahren, die ihnen auf der Insel drohen. Da ist der Mensch, der es gut meint und den Tieren Brötchen oder Kekse hinwirft. Das wäre tödlich für die Diabetiker. Alpakas vertragen von Natur aus keinen Zucker. Glukose aus dem Johannisbrot, deren Bäume in den Gehegen Schatten spenden, aus Äpfeln oder Weinbeeren vertragen sie nur in kleinen Mengen. Die Hitze halten sie im Hochsommer schlecht aus. Wenn es nachts nicht mehr abkühlt, muss Bart ihre Bäuche mit dem Gartenschlauch kühlen. Dort tragen sie kein Fell und sind nicht gefeit vor der Wärme.

Die dritte Gefahr ist Stress untereinander. Die Stuten sind das ganze Jahr über fruchtbar, die Hengste Helden, die kämpfen. Das kann ungute Folgen haben. Bart kümmert sich deshalb mehr oder weniger den ganzen Tag um die Tiere. Er beobachtet sie, achtet auf jedes Exemplar, besonders auf Suki, die sehr nützlich den Wachhund spielt, etwa, wenn sich die Katze nähert, die sie eigentlich kennen, die aber dennoch nur gelitten und nicht geliebt wird.

Hübscher Kopf. Foto: Enrique Lejárraga

Namen bewusst gewählt

Alle Tiere haben einen Namen und eine Geschichte. Die geschminkt wirkenden Augen von Fonda (nach Jane Fonda), der Junghengst Chet, der das erste je auf Ibiza geborene Alpaka ist. Oder Bardot (nach Brigitte), die eine Prinzessin ist, die Tochter von King Lewis und Diva Marrón.

Besucher, die diese tobenden, kauenden, ruhenden und verspielten Wesen kennenlernen möchten, sind in kleinen Gruppen willkommen. Eigentlich würde Bart gerne Schulklassen an die Tiere heranführen, aber das geht nicht. Dazu sind die Alpakas zu scheu und sensibel. Gute Erfahrungen machen Personen mit seelischen und geistigen Behinderungen oder auch Kinder mit Autismus. Für sie kann der Umgang mit den kuscheligen Tieren eine wohltuende Therapie sein.

Keine guten Hirten

Entgegen verbreiteter Meinungen, eignen sich Alpakas nicht als Hirten. Das sei eine Verwechslung. Andere Tiere vor wilden Hunden oder Wölfen schützen, das übernähmen die Lamas, so Bart. Alpakas haben aber zwei Eigenheiten, die sie auch auf Ibiza natürlich beibehalten. Sie zeigen nicht, wenn sie krank oder verletzt sind. Denn sie wollen sich keine Blöße vor dem Puma geben, der Raubkatze, die in den Anden ihr tödlicher Feind ist. Bart erzählt, wenn ein Alpaka auf dem Boden zusammenbricht, dann ist es tot, dann kommt jede Hilfe zu spät.

Heimlich in der Wolle…

Die andere Eigenheit haben die Stuten, die nicht zeigen, wenn sie trächtig sind. Der Bauch wölbt sich nicht nach außen, sie bringen das Junge sozusagen heimlich in der Wolle unter. Der Puma darf nicht sehen, dass er da zwei „Hamburger“ vor sich hat, die langsame Mutter und das Ungeborene, bringt Bart die brutale und kluge Natur auf den Punkt.

San am Webstuhl, an dem sie aus der Wolle der Alpakas kostbare Stoffe webt. Foto: Alpakas Ibiza

Die Farm Es Currals eignet sich für Fotoshootings und Hochzeiten und wer will, kann ein Alpaka adoptieren. San und Bart bieten flauschige Souvenirs, Tüten mit dem Dünger und Kalender mit Fotos der Truppe (26 Euro) an. Außer dem Verkauf der Mode aus dem Webstudios mit dem schönen Namen „Wishfulfilling Weaving“ natürlich.

„Wir hoffen, dass unsere Alpakas 25 Jahre leben, aber in den gewebten Schals, Mänteln und Tops dauern sie bis in alle Ewigkeit“, sagt Bart. Da Qualität schon immer als unsterblich galt, gibt es daran keinen Zweifel.

Gut zu wissen:

Die Web www.alpacasibiza.com ist ausführlich und mehrsprachig, auch auf Deutsch. Dort können Sie sich für einen Besuch anmelden. Oder Sie schicken eine Email an info@alpacasibiza.com Das belgische Ehepaar San und Bart und die Alpakas empfangen Sie gerne. Die Finca Es Currals ist nach den alten ibizenkischen Ställen aus Natursteinen benannt. Sie befindet sich zwischen Sant Carles und Es Figueral. In einer Rechtskurve kurz vor der Bucht geht es links zur Farm.

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