Es geht um "Es Pueto"

Editorial von Dieter Abholte: Wie ich es sehe…

Das wahrscheinliche Ende eines Traditions-Chiringuito. Und wieder wird ein Stück Ibiza sterben!

Liebe Leser,

Dieter Abholte

„Save Es Pueto chiringuito“ – „Rettet das Strandrestaurant Es Pueto“ – geht gerade als Hilferuf durch die sozialen Medien auf Ibiza. Und wieder einmal geht es um eins der urigen Strandrestaurants, die zur Tradition der Insel gehören. Die immer öfter schließen müssen, oder von Unternehmen verdrängt werden, die mehr Pacht zahlen. Bei „Es Pueto“ am Strand Es Pouet in der Bucht von Sant Antoni gibt es diese Tradition schon lange – nämlich 57 Jahre. Doch jetzt soll das „Chiringuito“ für immer schließen.

Das jedenfalls verlangt die Küstenbehörde (Costa) in Palma, die auch für die Strände auf Ibiza zuständig ist. Dabei beruft sie sich auf ein Gesetz aus dem Jahre 1988 – damals gab es das Strand-Restaurant „Es Pueto“ schon 19 Jahre. Dieses Gesetz verlangt, dass Strandbars nach Ende der Sommersaison abgebaut werden müssen, um den Strand im Winter zu schützen. Nun kann man sich darüber streiten, ob ein Gesetz auch auf Betriebe wie das Chiringuito in der Bucht von Sant Antoni angewendet würde, das schon fast 20 Jahre da stand. Aber nicht streiten kann man sich, meiner Meinung nach, über den Unsinn dieses Gesetzes, das übrigens auch die Chringuitos auf Formentera nervt und fassungslos macht.

Wieso schützt es einen Strand, wenn eine Bar nach dem Sommer abgebaut und dann Ostern neu aufgebaut wird? Denn das bedeutet:

  • Bauleute müssen anrücken, um alles abzubauen. Dabei bleiben Verunreinigungen und auch Zerstörung von Material und Bauteilen nicht aus.
  • Lkw fahren zum Strand, wo die Teile aufgeladen werden. Sie stoßen CO₂ aus, die Reifen der schwer beladenen Laster hinterlassen bestimmt nicht nur Spuren im Sand, sondern zerstören auch alles, was darunter lebt.
  • Das Material muss irgendwo abgeladen und zwischengelagert werden, wieder Belastung der Umwelt.
  • Und vor der Saison geht der ganze Wahnsinn noch einmal los: Lkw rollen an, Materialien müssen aufgebaut werden…

Ein Gesetz, das die Umwelt nicht schützt, sondern schädigt!

Würde man einfach die Chringuitos winterfest machen, würde das Strand und Meer null belasten. Dieses Gesetz schützt die Umwelt nicht, sondern schädigt sie! Um das zu verstehen, muss man eigentlich nicht viel nachdenken. Natürlich wäre die Voraussetzung, dass die Chiringuitos so weit vom Meer entfernt stehen, dass auch bei Winterstürmen die Wellen dort keinen Schaden anrichten. Denn es würde wirklich Strand und Meer belasten, wenn es Trümmer gäbe.

Wird aber bei „Es Pueto“ wohl nicht der Fall sein. Denn das Chiringuito steht seit 57 Jahren und wurde noch nie von Sturm und Wellen zerstört. Nur kommt bei der Strandbar noch hinzu, dass sie wegen gemauerter Teile und umweltfreundlicher Warmwasser-Gewinnung über Solar nicht oder nur schlecht abgebaut, sondern nur abgerissen werden kann. Wie groß da die Umweltbelastung ist, müssten eigentlich die Leute im Küstennamt einsehen, wenn sie überhaupt einsichtig sind.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Auch für mich ist eine Behörde, die Meer und Strände vor Schaden bewahrt, extrem wichtig. Wenn es sie nicht geben würde, wären die Strände unserer Inseln voll mit Strandliegen, wären dort Andenken-Buden gebaut und die romantischen Boots-Schuppen schon als Touristen-Unterkünfte missbraucht. Aber was bei der Costa in Sachen Chiringuitos passiert, ist schlicht und einfach ein Skandal – aber wird eben von diesem – für mich unsinnigen – Gesetz geschützt. Und das kam auch zur Anwendung, als die Inhaberin des „Es Pueto“ gegen den Schließungsbeschluss ihres Chringuitos klagte, den ihr verstorbener Mann aufgebaut hatte.

Ein Urteil das zynisch ist und empört

Das Oberste Gericht der Balearen wies ihre Klage ab. Klar, da gibt es ja dieses Gesetz von 1988. Darauf können und müssen sich Richter berufen. Doch eine Formulierung im Urteil macht mich fassungslos und wütend. Da heißt es nämlich, dass es ein „hohes Maß an Sättigung“ an saisonalen Einrichtungen entlang der Küste geben würde. Im Klartext: Es gibt genug andere Bars und Restaurants, da braucht es das „Es Pueto“ nicht! Siehe unseren Bericht vom 28. April.

Welche unsozial und für mich zynische Begründung! Einen Betrieb mit 57 Jahren Tradition kann man ja abreißen, weil die Gäste ja anderswo ihr Bier trinken können! Wer fragt all die, für die das „El Pueto“ ein Stück ihres Insel-Lebens ist? Wo man abends zum Sonnenuntergang beim Glas Wein am Meer sitzt. Wo man sich mit Freunden trifft. Wo man die Erinnerung an schöne Stunden hat. Wo schon die Kinder im Sand buddelten. Wo man seine Frau, seinen Mann kennengelernt hat und sich verliebte…

Ich weiß, das hört sich jetzt sentimental an in einer Welt, in der wohl auch ein „hohes Maß an Sättigung“ von Gefühlen ist. Aber genau das ist wohl nicht nur für mich, sondern für viele andere Menschen wichtig. Solche Orte wie die Chiringuitos machen für mich die Einzigartigkeit der Insel aus!

Wieder soll ein Stück altes Ibiza zerstört werden. Wieder verliert die Insel ein Stück ihrer Seele. Ohne einen echten Grund. Einfach nur, weil eine Behörde recht haben will und nicht nach denen fragt, die betroffen sind. Zu denen gehören natürlich und vor allem auch die Betreiber von „El Pueto“, das Service-Personal, die Küche, die Fischer, die den frisch gefangenen Fisch liefern…

Inzwischen haben rund 3000 Menschen die Petition gegen das Ende des Chiringuitos „Es Pueto“ unterschrieben. Ich bin einer davon. Obwohl ich wenig Hoffnung habe und aus Erfahrung weiß, wie Behörden auf solche Meinungen reagieren: Meist geht es ihnen „am Hintern vorbei! Hauptsache, sie haben ihr Recht. Übrigens, hier ist der Link für die Petition:

Herzlichst, Ihr ziemlich aufgebrachter Dieter Abholte.

Auch interessant?

Aktuelles E-Paper

E-Paper IbizaHEUTE Mai 2026
  • IbizaHEUTE Gourmet: Edle Menüs, köstliche Weine
  • IbizaHEUTE Exklusiv: Interview mit Vicent Marí
  • IbizaHEUTE Insider-News: 10 Tipps für die Insel im Mai
Jetzt abonnieren

Events & Termine

Zu allen Events