Gast-Kommentar in IbzaHEUTE: Wie ich es sehe…

Liebe Leser,

heute bin nicht ich es, der das Editorial am Sonntag schreibt. Unser Autor Volker Heinrichs, hat mir eine Mail über ein Thema geschickt, das er wichtig findet – und ich finde es auch. Deshalb ist heute seine Meinung in IbizaHEUTE. Sie soll zum Nachdenken anregen. Denn es zeigt, dass scheinbar gute Entscheidungen für eine Ferien-Insel nicht immer gut sind und alles zwei Seiten hat… Und ich denke, wir sollen unsere Leser öfter mit ihrer Meinung zu Worte kommen lassen.

Herzlichst, Ihr Dieter Abholte

Und nun die Meinung von Volker Heinrichs, der die Insel seit vielen, vielen Jahren kennt und die Entwicklung miterlebt hat.

Das große Problem mit Ibizas Mobilität 

Mit über 100 Mietwagen-Reservierungen in den letzten 20 Jahren auf Ibiza sehe ich als erfahrener „Saisonfahrer“ ein riesiges Problem auf Touristen sowie entlegene Restaurants, Geschäfte, Clubs und Chiringuitos zukommen. Die Mietwagen-Flotte wurde auf Ibiza drastisch reduziert. Auch privat dürfen immer weniger Touristen mit ihren Fahrzeugen auf die Insel.

Gut, Ibiza will den Nahverkehr mit Bussen ausbauen. Aber wie soll man damit an entlegene Orte kommen? Mit Strandtasche, Sonnenschirm oder Getränken, wenn es in der Bucht z. B. kein Chiringuito gibt? Von Familien ganz zu schweigen, die für ihre Kinder viele Sachen mit zum Strand nehmen müssen, oder von Senioren, die einen Klappstuhl brauchen.

Ausgefallene, abgelegene Restaurants und besondere Orte sind ebenfalls nicht mehr zu erreichen. Dorthin fährt kein Bus. Ganz zu schweigen von den Touristen, die beispielsweise in Portinatx oder Cala Vadella ihren Urlaub verbringen. Sie werden vermutlich niemals die Clubs oder andere Strände kennenlernen oder abends nach Ibiza-Stadt kommen. Denn zwischen 0:00 Uhr und 6:00 Uhr verkehrt kein Bus.

Sie werden vielleicht denken: „Dann sollen die mit dem Taxi fahren.“ Aber das kann man in der Hauptsaison vergessen. Kein Taxifahrer kommt freiwillig an entlegene Orte der Insel, weil die lange Anfahrt nicht bezahlt wird, sondern nur die Strecke zum Zielort. Solche Fahrten lehnt fast jeder Taxifahrer ab. In dieser Zeit lässt sich auf den Touren zwischen den Hauptorten Ibiza-Stadt, San Antoni und Santa Eulària viel mehr schnelles Geld verdienen.

Besitzer von Häusern, beispielsweise in Cala Vadella, berichten immer wieder: „Egal, wie oft wir es telefonisch versucht haben: Hier hin kommt und bringt uns kein Taxifahrer freiwillig.“ Ein großes Problem ist auch, dass es in der Hauptsaison trotz des riesigen Angebots immer noch viel zu wenige Taxis gibt. Wer einmal im Juli nachts am Taxistand in Ibiza-Stadt oder in San Antoni mehrere Stunden in der Schlange gewartet hat, um zurück ins Hotel zu kommen, wird jeden weiteren Besuch dorthin meiden.

Es wundert nicht, dass reichlich Leute auf der Insel illegale Taxifahrten anbieten. Morgens um vier Uhr, müde vom Tanzen und mit schmerzenden Füßen, ist man nach stundenlangem Warten an der Straße vor dem Pacha mehr als dankbar, von einem illegalen Fahrer angesprochen zu werden. Man steigt einfach ein… Gleiches gilt für Clubbesucher auf dem Weg zu einer Veranstaltung: 100 Euro und mehr für ein Ticket bezahlt. Dann die Verzweiflung: Es gibt keine Möglichkeit dorthin zu kommen. Was tun? Dann überlegt man nicht lange und steigt in eins der illegalen Taxen. Natürlich ist das nicht korrekt, auch nicht ungefährlich, aber…

Schlimm wird die Situation auch für entlegene Restaurants, die man sonst gerne besucht hätte. Einige werden in der nächsten Hauptsaison vermutlich um ihre Existenz bangen müssen. Der Vorteil, dass an den entlegenen Stränden wie Cala Conta oder Ses Salines nun vermutlich mehr freie Plätze vorhanden sind, weil ein Hin- und Zurückkommen schwierig bis unmöglich ist, birgt ebenfalls Schattenseiten: Wer seinen Urlaub nur noch am Hotelpool verbringen kann, muss dafür nicht zwingend nach Ibiza reisen. 

Das geht beispielsweise in der Türkei deutlich günstiger. Übrigens: Lag der Mietwagenpreis im Juli oder August des letzten Jahres für zwei Wochen noch bei 300 Euro, schlägt er nun mit 900 Euro zu Buche. Eine Steigerung von 200 Prozent. Für viele entspricht das ungefähr dem Preis ihres Hotelzimmers. Darunter leiden also wieder diejenigen, deren Urlaubsbudget ohnehin schon begrenzt ist.

Es ist traurig mit anzusehen: Ibiza sägt weiter am eigenen Ast. Mit den extremen Verboten, Restriktionen und Gesetzen der letzten Jahre – vom Tanzverbot am Strand bis zu den aktuellen Mobilitäts-Einschränkungen. Die Regierung nimmt den Touristen immer mehr Freiheiten. Ich bin mir sicher: Das wird langfristig negative Folgen für den Tourismus haben.

Herzlichst, Ihr Volker Heinrichs

Auch wenn man die Meinung unseres IbizaHEUTE-Autors nicht zu 100 Prozent teil, es lohnt sich, darüber nachzudenken.

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