Es gibt schon zu viele

Ibiza im Kampf gegen invasive Schlangen ohne reale Chance

Im Kampf gegen die invasiven Schlangen steht Ibiza offenbar auf verlorenem Posten. Trotz immer umfangreicherer Fangaktionen breitet sich die eingeschleppte Hufeisennatter auf der Insel weiter aus. Wie wohl sich die Reptilien hier fühlen, beweist der jüngste Fang eines Fincabewohners. 

Kaum ein Tag vergeht ohne entsprechende Meldungen: Ein Inselbewohner fing am zurückliegenden Wochenende bei Santa Gertrudis eine mehr als 1,50 Meter lange Hufeisennatter von Hand. Nach eigenen Angaben war es das größte Exemplar, das ihm bislang begegnet sei. In den vergangenen fünf Jahren habe er „mehr als 100 Schlangen gefangen“. Besonders alarmierend sei für ihn, dass in der Umgebung „seit Jahren keine Eidechsen mehr“ zu sehen seien.

Zu dick für die Falle

Zu seinem jüngsten Fang sei er indirekt gezwungen worden. „Die war so dick, die passt gar nicht mehr durch den Eingang der Fallen, die ich auf der Finca aufgestellt habe“, so der Hobby-Schlangenjäger.

Offiziellen Zahlen belegen den unaufhaltsamen Vormarsch der Reptilien. Das balearische Artenschutzzentrum COFIB hat die Zahl der Fallen in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. Inzwischen sind rund 450 Fangvorrichtungen im Einsatz, allein im laufenden Jahr wurden bereits 58 Schlangen gefangen.

Für den Ökologen Samuel Pinya von der Universität der Balearen (UIB) ist die Entwicklung eindeutig. Die Hufeisennatter (Hemorrhois hippocrepis) breite sich kontinuierlich aus und sei inzwischen selbst in abgelegenen Gebieten nachgewiesen worden. „Selbst mit einer Armee würden wir sie nicht mehr ausrotten können“, sagt der Wissenschaftler.

Keine Gefahr für den Mensch

Die Schlangen gelangten vermutlich vor rund 20 Jahren mit aus dem spanischen Festland eingeführten Olivenbäumen auf die Insel. Da sie kaum natürliche Feinde haben, konnten sie sich ungehindert vermehren und neue Lebensräume erschließen. Dass derzeit besonders viele Tiere gesichtet werden, hängt zudem mit der Paarungszeit und den hohen Temperaturen zusammen.

Eine Hufeisennatter in der Falle. Foto: GOIB

Der Biologe Andreu Rotger sieht die eigentliche Gefahr weniger in Begegnungen zwischen Menschen und Schlangen als in den Folgen für die Natur. Die Hufeisennatter sei „ein sehr effizienter Räuber“ und werde vermutlich dauerhaft auf den Inseln bleiben. Besonders bedroht ist die endemische Pityusen-Eidechse, die auf Ibiza und den vorgelagerten Inseln eine wichtige Rolle im Ökosystem spielt. Verschwänden ihre Bestände, hätte dies „weitreichende Folgen für das ökologische Gleichgewicht“, so Rotger. Zudem jagen die Schlangen Vögel, Nagetiere, Geckos und andere Reptilien. Wie stark sich dies langfristig auswirken wird, lasse sich noch nicht genau vorhersagen.

Die Umweltbehörden raten, bei einer Begegnung mit einer Schlange Ruhe zu bewahren und Abstand zu halten. Die Tiere sind für Menschen und Haustiere nicht gefährlich und versuchen normalerweise zu fliehen. Sichtungen sollten dem Notruf 112 oder dem Artenschutzzentrum COFIB gemeldet werden. Das Ziel der Behörden ist inzwischen nicht mehr die Ausrottung der Hufeisennatter, sondern ihre weitere Ausbreitung möglichst einzudämmen und den Schaden für die heimische Tierwelt zu begrenzen.

 

Auch interessant?

Aktuelles E-Paper

E-Paper IbizaHEUTE Juli 2026
  • IbizaHEUTE Essen & Trinken: Romantik-Restaurant, Sommer-Drinks, News
  • IbizaHEUTE nicht verpassen: Sonnenfinsternis, Feuerwerk, perfekter Tag
  • IbizaHEUTE Lifestyle: Traumstrände, Traumhaus, teure Strandliegen
Jetzt abonnieren

Events & Termine

Zu allen Events