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Ibiza-Stadt

IbizaHEUTE-Report: Die Natternplage

Der warme Sommer aktiviert die Nattern. Derzeit häufen sich die Nachrichten und Initiativen zur Schlangenplage auf Ibiza. Dass die Eidechsen noch eine Chance haben, ist zumindest auf Ibiza zu bezweifeln, doch untätig sind die Gemeinden nicht. Clementine Kügler berichtet.

Zentrum für Artenschutz

Wir hatten am Montag gemeldet, dass das balearische Umweltministerium mit zwei Millionen Euro aus der Tourismus-Steuer ein Zentrum für den Artenschutz auf Ibiza finanziert. Die Umweltschützer von Gen-Gob hätten gerne noch viel mehr Hilfen für die Kontrolle der Invasoren und den Erhalt der Eidechsen. Immerhin werden die Eidechsen der Pityusen in den Katalog der bedrohten Arten aufgenommen. Das verpflichtet zu Schutzplänen nach europäischen Richtlinien.

Die städtischen Reservate, die angelegt werden, finanzieren sich aus EU-Fonds. Rathäuser, Insel-Regierungen und das Umweltministerium der Balearen arbeiten seit Mai einhellig zusammen, um die flinken Symbole Ibizas und Formenteras zu retten. Von den zwei Millionen Euro Ökosteuer gehen eine halbe Million Euro in den Bau des Zentrums, das 2025 in Sa Coma eingerichtet wird. Von dort wird die Artenschutzbehörde Cofib, die zum Umweltministerium der Balearen gehört, den Kampf gegen die Nattern verstärken.

Ibizas braune, grüne und blaue Eidechsen waren früher überall zu sehen, jetzt sind sie Futter der Nattern und dezimiert. Foto: GOIB

Eidechsen auf Formentera

Auf Formentera steht es besser um die Eidechsen, da sich dort vor allem die Treppennatter verbreitet hat. Diese jagt in der Dämmerung, wenn die Eidechsen nicht mehr unterwegs sind. Zudem ist ihr Gebiet begrenzt auf Pilar de la Mola. Deshalb glauben die Artenschützer, dass sie die Nattern auf Formentera doch noch ausrotten können. Aber auf Ibiza hat sich die Hufeisennatter über fast die ganze Insel ausgedehnt und dezimiert die Bestände ohne Gnade.

Die Treppennatter hat sich vor allem auf Formentera verbreitet. Foto: GOIB

Sant Antoni verteilt Fallen

Anfang dieser Woche hat das Umweltamt des Rathauses in Sant Antoni zusammen mit Cofib 75 Fallen an die Bevölkerung verteilt. 25 erhielten zuvor schon die Jäger der Gemeinde.

Sant Antoni verteilt 75 Fallen. Foto: Rathaus Sant Antoni

Sant Josep holt die Jäger

Auch Sant Josep arbeitet mit den Jägern zusammen. Nun sollen diese nicht auf die Nattern schießen, aber sie helfen tatsächlich, wenn jemand welche fängt und sie nicht selbst töten will. Auf ländlichen und bewaldeten Grundstücken der Mitglieder des Jagdverbandes wurden wieder 100 Fallen aufgestellt. Seit 2021 sind auf diese Weise 800 Nattern gefangen worden, die Kosten betrugen 17.000 Euro.

Offenbar sind nicht alle der Meinung, die Nattern müssten gefangen und ausgerottet werden. Oder sie wollen die Mäuse befreien. In der Gemeinde sind am Camí de Sa Talaia viele Fallen zerstört worden. Das Rathaus droht den Tätern mit Sanktionen. Und die Jäger, die gerade eine giftige Culebra bastarda gefunden haben, warnen, wenn den Schlangen nun auch noch Mäuse angeboten werden, dann hilf uns Gott.

Das Rathuas verurteilt den Vanadalismus. Foto: Rathaus Sant Josep

Die Westliche Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus) war die erste, die 2003 auf Ibiza gefunden wurde. Importiert in Pflanzenkübeln vom Festland. Seit 2010 galt sie als ausgestorben, nun ist in der Cala Tarida wieder eine gesichtet worden. Entweder ist das eine oder andere Exemplar noch hier oder sie sind wieder importiert worden, erklärt die Biologin Antònia Maria Cirer.

Im Gegensatz zur Treppen- und zur Hufeisennatter ist die Westliche Eidechsennatter giftig. Ein Mensch muss der Schlange aber schon einen Finger ins Maul stecken, um Schaden zu nehmen, so Cirer. Sie wendet allerdings auch ein, dass ein Bienenstich für Allergiker tödlich sein kann.

Die für Ibiza typischen Eidechsen werden durch die Nattern dezimiert. Foto: Rüdiger Eichhorn

Santa Eulàrias Inseln

Aus Santa Eulària kommt die Bestätigung, dass die Nattern auf die Felsinseln schwimmen. Auf jeder einzelnen Felsinsel um Ibiza und Formentera leben eigene Eidechsen-Arten, die sich isoliert entwickelt haben und einzigartig sind. Dass die Nattern durch den Río schwimmen, war bekannt, nun erobern sie auch das salzige Meer und richten nicht wieder gut zu machenden Schaden an. „Eine Tragödie für die Evolution“, nennt der Herpetólogo Valentín Pérez Mellado von der Universität Salamanca die Tatsache.

Auf der S’Illot de S’Or oder S’Hort, nordöstlich von Tagomago, könnte die Familie der Eidechsen bereits verschwunden sein. Auf der S’Illa de Santa Eulària, südlich von Punta Arabí, sind sie zumindest dezimiert. Und nicht nur die Eidechsen, sondern auch die Seevögel, die dort nisten, sind in Gefahr, denn die Nattern verspeisen Eier und Küken.

Auf jeder Insel haben sich eigene Arten herausgebildet. Hier eine blaue Eidechse auf Es Vedrà. Foto: Víctor Colomar

Pérez Mellado versteht die Menschen, die die Schlangen nicht töten wollen. Auf dem Festland steht die Hufeisennatter sogar unter Schutz. Für ihn wäre das Einsammeln, Transportieren und Aussetzen ein logistisches Problem. Die Biologin Cirer hat IbizaHEUTE hingegen erklärt, dass man die Nattern nicht „verpflanzen“ kann, ohne das Ökosystem zu gefährden.

Eine der auf Ibiza verbreiteten Hufeisennattern. Foto: Víctor Colomar

In Sant Joan ins Netz gegangen

In Sant Joan hat sich eine zwei Meter lange Schlange im Nylon-Netz eines Gemüsegartens verfangen. Der Grundstücksbesitzer staunte nicht schlecht über das Prachtexemplar.

So große Nattern interessieren sich nicht für kleine Mäuse und gehen selten in die Fallenkästen. In den Netzen, die Landwirte verwenden, um die Früchte vor Vögeln zu schützen, verfangen sie sich allerdings öfter. Das erläutert die Facebook-Gruppe „Snakes on Ibiza no thank you“. Sie ist sehr aktiv bei ihren Versuchen, das Überleben der Eidechsen auf Ibiza zu sichern.

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