Für Lebensgefahr zahlen Flüchtlinge 2000 Euro und mehr

Die gefährlichen Nusschalen der Migranten-Boote

Das Foto des Tages kann nicht immer schön und unbeschwert sein. Auch solche Fotos und Berichte gehören zur Aufgabe eines Journalisten.

Die Boote sind lächerliche 6 oder 7 Meter lang. Sie sind so offen, dass jede größere Welle ins Boot schlägt. Viel zu gefährlich für eine Fahrt auf dem Meer. Aber mit genau solchen Booten gelangen jede Woche mehr Migranten auf der Route von Algier nach Ibiza oder Formentera. Wie gefährlich das ist, zeigen die immer wieder angeschwemmten Leichen an den Stränden der Insel. Aber ob die Menschen in den Booten ankommen, ist den Schlepper-Banden ziemlich egal. Die Boots-Flüchlinge müssen vorher zahlen, mindestens 2000 Euro, denn Tote können nicht mehr zahlen. Der Gewinn der Schlepper pro Boot: 20.000 bis 30 000 Euro – mindestens.

 

Mit solchen Außenbordern wagen sich die Menschen auf eine 300 Kilometer lange gefährliche Reise von Algerien bis nach Ibiza oder Formentera. Wenn der Motor versagt, kommt meist der Tod: verdursten, ertrinken… Foto: MBA

Die Boote sind nicht nur kleine Nussschalen, sie sind auch oft mit bis zu 18 Menschen überladen, sodass zwischen dem Meer und dem Bootsinneren nur noch 20 Zentimeter sind. Ein Spiel mit dem Tod. Ganze Familien legen ihr Geld zusammen, damit einer von ihnen nach Ibiza oder Formentera kommt, um dann über Spanien nach Frankreich oder Belgien zu kommen. In der Hoffnung, dass man bei Freunden oder schon dort lebenden Verwandten unterkommt, dass man einen Job bekommt, um dann die Familie zu unterstützen. Dafür riskieren sie die gefährliche Fahrt über das Meer – 300 Kilometer weit, 20 bis 30 Stunden lang. Wenn sie denn ankommen oder aus Seenot in letzter Sekunde von den spanischen Rettungsschiffen geborgen werden können.

Ein schrottiges Boot mit arabischen Schriftzeichen: eins der Migranten-Schiffe, die Formentera erreicht haben. Foto: MBA

Und die kommen manchmal auch zu spät. Da sind Boote, die vorher das Küstenradar erfasst hatte, verschwunden und nur noch unbrauchbare Rettungsringe und Tote sind auf dem Meer – auch Frauen und Kinder. All dem stehen die Politiker auf Ibiza, Formentera und den gesamten Balearen hilflos gegenüber. Und immer mehr Boote kommen. In diesem Jahr waren es schon 180 mit 3400 Migranten. Und es wird weitergehen mit den kleinen  überladenen Nussschalen, mit den Migranten, mit dem Tod und dem Geschäft mit der Not. Bei rund 3400 Migranten verdienten die Schlepper in diesem Jahr schon rund eine Million Euro…

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