Eine weitere emblematische Strandbar auf Ibiza hat ihr Ende bekanntgegeben: Der Chiringuito Chiringay am Es-Cavallet-Strand im Naturpark Ses Salines verabschiedete sich am Montag über Instagram von seinen Gästen – und das ausgerechnet zu Beginn der Hochsaison. Gänzlich freiwillig kommt der Schritt offenbar nicht.
Mit dem Aus des traditionsreichen Lokals endet eine 45-jährige Geschichte, die weit über die Grenzen der Insel hinausstrahlte. In einer emotionalen Botschaft bedankten sich Eigentümer Alberto Ciatera und seine Familie bei ihren Gästen für die jahrzehntelange Treue. „Nach 45 Jahren voller Liebe, Lachen und Sommer ist der Moment gekommen, Abschied zu nehmen“, heißt es in dem Beitrag. Weiter schreiben die Betreiber: „Danke, dass ihr unser Zuhause zu eurem Zuhause gemacht habt.“
Warum das Restaurant nun schließt, erläutert die Familie nicht. Allerdings war der Betrieb zuletzt in den Fokus der Behörden geraten.
Baustopp nach Behördeninspektion
Ende März hatten Umweltbeamte der Balearen-Regierung, Ermittler der Guardia Civil sowie Mitarbeiter des Dezernats für Raumordnung im Inselrat eine Kontrolle am Chiringay durchgeführt. Anlass war ein Hinweis auf umfangreiche Umbauarbeiten am Strandlokal.
Nach der Inspektion wurden die Arbeiten versiegelt und gestoppt. Nach Angaben der Behörden handelte es sich um umfassende Umbaumaßnahmen an Gebäudestruktur, Restaurantbereich und Sanitäranlagen, für die keine entsprechende Genehmigung vorgelegen habe. Gegen die Eigentümer wurden Anzeigen aufgenommen.
Ob und welche Sanktionen möglicherweise drohen, ist bislang nicht bekannt. Da sich das Chiringay innerhalb des Naturparks Ses Salines auf geschütztem Areal befindet, fällt ein möglicher Verstoß gegen das Baurecht in die Zuständigkeit des Inselrats. Zudem prüft die Guardia Civil, ob weitere Verstöße gegen Vorschriften zur Raumordnung vorliegen.
Ob die laufenden Verfahren mit der nun verkündeten Schließung in Zusammenhang stehen, wurde von den Betreibern bislang nicht bestätigt.
Treffpunkt der LGBTQ+-Community
Der Chiringay gehörte über Jahrzehnte zu den bekanntesten Strandrestaurants Ibizas und galt als einer der wichtigsten Treffpunkte der internationalen LGBTQ+-Community auf der Insel. Saison für Saison zog das Lokal Tausende Gäste aus dem In- und Ausland an.
Seine besondere Stellung verdankte es nicht nur der Lage direkt am naturbelassenen Strand von Es Cavallet, sondern auch seiner Rolle als Symbol für das offene und tolerante Ibiza, das viele Besucher mit der Insel verbinden.
Die Geschichte begann Anfang der 1980er-Jahre. Alberto Ciatera erkannte damals das Potenzial der abgelegenen Bucht zu einer Zeit, als der Küstenabschnitt touristisch noch kaum erschlossen war. Gemeinsam mit seiner Familie baute er dort einen Betrieb auf, der bis zuletzt familiengeführt blieb.
Gegenentwurf zu den Beachclubs
Bekannt war das Restaurant für seine mediterrane Küche, die entspannte Atmosphäre und die elektronischen Musik-Sessions direkt am Strand. Während vielerorts luxuriöse Beachclubs entstanden, blieb das Chiringay für zahlreiche Stammgäste ein Gegenentwurf zur zunehmend kommerzialisierten Strandgastronomie: unkompliziert, gemeinschaftlich und eng mit der Natur verbunden.
In ihrem Abschiedsgruß richteten die Betreiber noch einmal besondere Worte an ihre langjährigen Gäste: „Allen unseren Kunden und Freunden danken wir für die Zuneigung, das Vertrauen und dafür, dass ihr Sommer für Sommer zurückgekommen seid. Ihr seid der Grund, warum sich all das gelohnt hat.“
Unterzeichnet wurde die Botschaft mit den Worten: „Mit all unserer Liebe, Alberto und die gesamte Chiringay-Familie.“





