IH+: Hotellerie

Wenn das Zimmermädchen keine Wohnung findet

Die Urlauberzahlen sind nur eine Seite der Tourismusbilanz. Hinter den Kulissen kämpfen Ibizas Hotels mit fehlenden Mitarbeitern, hohen Fehlzeiten und häufigen Personalwechseln. Eine Studie zeigt auf, welche Probleme die Branche besonders belasten.

Die Suche nach Mitarbeitern wird für Ibizas Hotellerie zum Problem. 78 Prozent der befragten Betriebe hatten in der vergangenen Saison Schwierigkeiten, ihre offenen Stellen vollständig zu besetzen. Als wichtigsten Grund dafür, dass Beschäftigte ausscheiden oder nach einer Saison nicht zurückkehren, nennen die Unternehmen die hohen Wohnkosten und den Mangel an verfügbarem Wohnraum. Das geht aus einer Umfrage des Hotelverbands von Ibiza und Formentera (FEHIF) hervor.

Für die erste Erhebung dieser Art befragte die Federación Empresarial Hotelera 96 Betriebe mit insgesamt 24.266 Betten. Die Studie soll künftig jährlich erhoben werden, um die Entwicklung der Arbeitsmarktlage auf den Inseln zu verfolgen.

Mitarbeiter kommen nicht wieder

Besonders schwierig ist demnach die Personalsuche im Bereich Housekeeping: 62 Prozent der Unternehmen nennen diesen Bereich als „Problemfeld“. Es folgen die Küchen mit 56 Prozent sowie Service und Gastronomie mit 44 Prozent. Insgesamt bewerten 48 Prozent der Betriebe die Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung als „mittel“ oder „groß“. Bei Unternehmen mit mindestens 75 Beschäftigten berichten alle Befragten von Problemen, offene Stellen zu besetzen.

Die Wohnungsfrage erschwert auch die Mitarbeiterbindung. Für 50 Prozent der Unternehmen sind die Kosten oder die Verfügbarkeit von Wohnraum der wichtigste Grund dafür, dass Beschäftigte gehen oder nicht wiederkommen. 44 Prozent nennen bessere Angebote anderer Unternehmen oder Branchen. Schichtzeiten und Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben spielen für 26 Prozent eine Rolle, die Bezahlung für 22 Prozent.

Ein weiteres Problem in der Branche sind die Fehlzeiten. 72 Prozent der Betriebe sehen darin eine mittlere bis sehr große Belastung. Als häufigste Ursache nennen 92 Prozent gewöhnliche Erkrankungen. Die Folgen tragen vor allem die übrigen Beschäftigten: 72 Prozent der Unternehmen berichten von einer höheren Arbeitsbelastung für die Kollegen, 60 Prozent von zusätzlichen Überstunden.

Kaum Ausbildungsmöglichkeiten

Auch die Personalfluktuation nimmt in Ibizas Hotels offenbar zu. 46 Prozent der Betriebe geben an, dass Mitarbeiter häufiger wechseln als in der vorherigen Saison. Besonders betroffen ist erneut der Bereich Housekeeping, gefolgt von Küche und Service.

Verbesserungsbedarf sieht die Branche zudem bei der Ausbildung auf den Inseln: Die Hälfte der Unternehmen hält das Angebot für zu gering oder nicht geeignet beziehungsweise attraktiv. Weitere 20 Prozent machen sich darüber nach eigenen Angaben keine Gedanken.

Die Umfrage soll dem Verband künftig eine belastbare Grundlage für Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen liefern. „Mit diesen Daten können wir unsere Einschätzungen auf Zahlen stützen und konkrete Vorschläge einbringen“, sagte FEHIF-Geschäftsführer Santiago García Ramón.

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