Am Tag der Balearen setzen Regionalpolitiker zumeist auf eine stimmungsvolle Mischung aus Identität und Tradition sowie rosigen Zukunftsaussichten. Ibizas Chef in der Inselregierung scherte diesmal aus und stellte stattdessen realpolitische Probleme in den Vordergrund.
Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt ist nach Darstellung von Ibizas Inselratspräsident Vicent Marí die zentrale Zukunftsfrage der Insel. Beim offiziellen Festakt zum Tag der Balearen in Sant Jordi warnte er, der schwierige Zugang zu bezahlbarem und angemessenem Wohnraum gefährde „den sozialen Zusammenhalt und die Zukunft Ibizas“.
Inseln brauchen bessere Anbindung
Es dürfe nicht hingenommen werden, dass junge Menschen, Familien und Fachkräfte, die „zentrale öffentliche Aufgaben“ erfüllten, die Insel verlassen müssten, weil sie keine Wohnung fänden, sagte Marí am Sonntag. Deshalb müsse der Bau von Wohnungen für Einheimische ebenso „entschlossen vorangetrieben“ werden wie die Schaffung geeigneter Unterkünfte für Saisonarbeiter. „Ohne Wohnraum kann es keinen sozialen Zusammenhalt geben, und ohne ihn keine starke Gemeinschaft“, sagte der Konservative (Volkspartei, PP) und sprach sich ausdrücklich für mehr öffentlich geförderte Wohnungen aus.
Neben der Wohnungsfrage rückte Marí die Mobilität in den Mittelpunkt seiner Festtagsrede. Die Insellage sei zwar identitätsstiftend, „engt uns im Alltag aber ein“, sagte er mit Verweis auf wiederkehrende Anbindungsprobleme. Eine reibungslose Verbindung zwischen den einzelnen Inseln des Archipels sei wesentlich für den inneren Zusammenhalt. Zugleich verteidigte er die gesetzliche Begrenzung der Fahrzeugzahl in der Hochsaison. Das entsprechende Gesetz sei gekommen, „um zu bleiben“; es solle die Einreise von auswärtigen Autos regulieren, Wohnmobile kontrollieren und eine „geordnete Mobilität im Interesse von Bewohnern und Besuchern“ gewährleisten.
Sozial Balance in Gefahr
Mit Blick auf den Tourismus, dem wichtigsten Wirtschaftszweig Ibizas, sprach sich Marí erneut für „Qualität statt Quantität“ aus. Von einem verantwortungsvollen Modell könne keine Rede sein, „wenn wir zulassen, dass mit Wohnungen unkontrolliert spekuliert oder unlauterer Wettbewerb betrieben wird“. Damit sprach Marí schlussendlich auch die Problematik der irregulären Ferienvermietung an. Die Insel müsse ihre wirtschaftliche Stärke sichern, ohne ihre „soziale Balance“ zu verlieren.
Auch in der Migrationspolitik verlangte der Präsident „verantwortungsvolle“ Maßnahmen, eine bessere Abstimmung der Institutionen und – mit Blick auf Madrid – eine „überzeugende Politik“ im Kampf gegen Schlepperbanden. Ziel sei es, die Belastbarkeit der öffentlichen Dienstleistungen zu sichern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt dauerhaft zu bewahren.





