Mehr als sechs Jahrzehnte lang gehörte das Schmuckgeschäft zum Alltag im Hafenviertel La Marina. Nun verabschieden sich Carolina und Francisco José Bonet – und mit ihnen eine Familiengeschichte, die tief in der Tradition der Insel verwurzelt ist.
Bewusst oder unbewusst, an dem Eckgeschäft in Eivissas Hafenviertel La Marina kam jeder Ibiza-Besucher früher oder später vorbei. Die Casa Afro war über Jahrzehnte eine feste Adresse für Schmuck und ibizenkische Tradition. Nun schließen die Geschwister Carolina und Francisco José Bonet das unverkennbare Geschäft und gehen in den Ruhestand. Ihre Kinder wollen den Betrieb nicht übernehmen. „Ich glaube, das liegt daran, dass sie uns ihr ganzes Leben lang im Laden gesehen haben“, sagt Carolina lachend.
24 Ringe für die Hochzeit
Die Geschichte des Familienbetriebs reicht bis zu ihrem Großvater zurück, der eine Sattlerei unter dem Namen Cas Selletés führte. Dort ließen die Inselbewohner Lederwaren reparieren. Später kamen Gürtel und andere Produkte hinzu. Der jüngste der drei Brüder, Afrodisio, war der Vater von Carolina und Francisco José. Sein Spitzname wurde zum Namen des Geschäfts – daher der etwas ungewöhnliche Name Casa Afro.
Mit dem Aufkommen des Massentourismus in den 1960er-Jahren begann Afrodisio zunächst, Souvenirs zu verkaufen. Schließlich wechselte er zum Schmuckhandel. Als Jugendliche halfen Carolina und Francisco José neben der Schule im Laden. „Wir sind dann schließlich unser ganzes Leben hier geblieben“, sagt Carolina.
Casa Afro begleitete seither viele wichtige Momente im Leben der Inselbewohner: Taufen, Kommunionen, Hochzeiten und Geburtstage. Besonders gefragt war traditioneller ibizenkischer Schmuck. Früher gehörten Goldringe zur Verlobung. „Man musste seiner zukünftigen Frau 24 Ringe schenken“, erzählt Carolina. Wer sich das nicht leisten konnte, kam mit sieben oder acht aus. Die Ringe wurden am folgenden Sonntag in der Kirche getragen – als Zeichen, dass die junge Frau vergeben war.
Auch Supermodel schaut vorbei
Auch prominente Gäste strömten in das Juweliergeschäft gegenüber des Teatro Pereira. Die Herzogin von Alba nahm ibizenkischen Goldschmuck mit, ein Mitgründer von Dolce & Gabbana eine goldene Kreuzkette. Auch Kate Moss suchte auf ihren Ibiza-Abstechern das Eckgeschäft mit der zeitlosen Fassade auf.
Nach mehr als vier Jahrzehnten im Geschäft ziehen die Geschwister eine „sehr positive“ Bilanz. Besonders dankbar seien sie den Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden, die über die Jahre zu Wegbegleitern geworden seien.
Derzeit läuft der Ausverkauf, zunächst mit 20 Prozent Rabatt. Einen endgültigen Schließungstermin gibt es noch nicht. Die Geschwister haben bei den Behörden eine Genehmigung beantragt, die ihnen bis zu ein Jahr für die Räumung gewähren soll. „Ich nehme an, dass sich der Ausverkauf bis zum kommenden Sommer hinziehen wird“, sagt Francisco José.





