Weniger Karriere, mehr Lebensqualität: Viele Frauen in der Tourismusbranche wollen nicht länger beruflich auf Kosten ihres Privatlebens vorankommen. Eine auf Ibiza vorgestellte Studie zeigt, wie groß der Verzicht inzwischen ist.
Fast acht von zehn Frauen in der Tourismusbranche haben ihre Vorstellung von beruflichem Erfolg verändert. Statt einer klassischen Karriere mit hierarchischem Aufstieg zählen für sie inzwischen vor allem Lebensqualität, persönliche Zeit und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Das geht aus der Studie EQUILIBRIA hervor, die Ende Oktober beim Tanit Ibiza Congress & Awards vorgestellt wurde.
Haushalt obendrauf
Die Untersuchung wurde von Tanit Ibiza Conexión gemeinsam mit dem Jobportal Turijobs und der Spanischen Hotelmanager-Vereinigung AEDH durchgeführt. An der Befragung nahmen 926 Beschäftigte teil, der Großteil (81,3 Prozent) davon Frauen.
Besonders deutlich wird die gefühlte Schieflage beim Zeitaufwand: Auf einer Skala von eins bis zehn bewerten die Befragten ihre persönliche Life-Work-Balance lediglich mit 3,8 Punkten. Für den beruflichen Bereich vergeben sie 5,6, für das Familienleben 5,1 Punkte. Die Studienautorinnen sehen darin einen Hinweis darauf, dass viele Frauen ihre „eigene Freizeit opfern, um Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren“.
Auch die Verteilung der häuslichen Aufgaben bleibt demnach ungleich. 74,5 Prozent der befragten Frauen geben an, hauptsächlich für die Organisation des Haushalts verantwortlich zu sein – selbst wenn sie Vollzeit arbeiten. Bei der Koordination familiärer Aufgaben beträgt der Abstand zu den Männern 30,5 Prozentpunkte.
Abschalten nach Feierabend
Besonders alarmierend für die Branche: 32 Prozent der Frauen haben bereits eine Beförderung abgelehnt, um ihre persönliche Life-Work-Balance nicht zu gefährden. Weitere 20,5 Prozent haben diesen Schritt zumindest erwogen. Die Studie spricht von einem „stillen Verzicht“, der zwei von drei Beschäftigten betreffe.
Um qualifizierte Mitarbeiterinnen zu halten, müssten Unternehmen ihre Arbeitsbedingungen verändern. Am häufigsten wünschen sich die Befragten flexiblere Arbeitszeiten oder komprimierte Arbeitswochen (27,8 Prozent), gefolgt von Angeboten zur Gesundheitsförderung (20,4 Prozent) und einer Unternehmenskultur, die das Abschalten nach Feierabend ermöglicht (14,9 Prozent).
„Die Frage ist, ob das heutige touristische Arbeitsmodell überhaupt auf die Menschen vorbereitet ist, die künftig darin arbeiten sollen“, sagte Mitinitiatorin Eva Ballarín bei der Vorstellung der Ergebnisse.





