Editorial von Dieter Abholte: Wie ich es sehe…

Dieter Abholte

Liebe Leser,

 was ist los mit den Restaurants auf Ibiza? Wollen sie keine Gäste mehr? Ich spreche natürlich nicht von allen. Aber von denen, die leider immer mehr werden und offensichtlich nur noch daran denken: Wie komme ich am schnellsten an das Geld der Gäste?

Ein Beispiel? Gerne! Einer Leserin ist es in einem echten Traditionsrestaurant direkt an der Rambla in Santa Eulària passiert. Auf dem Tisch noch der Schmutz des Vorgängers. Bei den bestellten Spaghetti mit Gambas lagen die Krustentiere mit Schalen in den Nudeln. Sie mussten mühsam herausgefischt und geschält werden. Als die Leserin sagte, dass sie bei diesem Service und dieser Qualität wohl nicht mehr Stammgast sein werde, rief ihr der Kellner (oder Juniorchef) beim Abschied zu: „Auf Nimmerwiedersehen Señora!“ Dies ist nur eines von vielen Beispielen.

Schlechter Service, überhebliches Personal und hohe Preise sind die eine Seite, die nicht nur mich stört. Es gibt zwei andere: Aus beliebten und preiswerten Restaurants werden über Nacht Nobeladressen! Und zweitens die Vorkasse – meist 100 Euro pro Person schon bei der Reservierung.

Bleiben wir beim ersten Punkt. Da gibt es ein Restaurant an der Steilküste bei Sant Antoni. Viele Jahre lang war es der Treffpunkt der Ibizenker und der Gäste, die es entdeckt hatten: traumhafter Sonnenuntergang, faire Preise, nette Bedienung. Hier war man zu Hause. Bis, ja bis eine Restaurant-Gruppe den Laden für ein paar Millionen kaufte, renovierte und einen teuren Koch in die Küche stellte. 

Verständlich, dass die Preise jetzt durch die Decke gehen. Schließlich will der Investor sein Geld wieder reinholen. Trotzdem ist es schade, dass die traditionelle Gastronomie verschwindet und vieles nur noch schick und teuer ist. Das gilt auch für viele Restaurants am Strand.

Und dann ist da noch die Sache mit der Vorauszahlung bei der Reservierung. 100 Euro pro Person ist die Untergrenze, die sofort von der Kreditkarte abgebucht wird. Das sind bei einem Vierertisch gleich mal 400 Euro, bei einem Sechsertisch dann 600 Euro. Die sind übrigens schnell weg. Ein Blick auf die Speisekarte genügt… 

Natürlich verstehe ich den Ärger, wenn Gäste reservieren und dann nicht kommen. Ich glaube, das passiert oft genug. Woran liegt das? Weil sich offenbar angeberische Touristen bei der Verabredung freuen: „Wo gehen wir heute Abend hin? Ich habe in drei Restaurants reserviert. Sucht euch eins aus!“ Unmöglich? Ja! Aber keine Einzelfälle.

Ich verstehe die Restaurants, die auf Vorauszahlung bestehen. Trotzdem fühle ich mich dort nicht willkommen. Misstrauen statt Vertrauen zwischen Gast und Restaurant. Das passt nicht zu unseren Inseln und den Menschen, die Ibiza und Formentera mit Respekt begegnen. Diesen Respekt muss es auch zwischen Restaurant und Gast geben. 

Was tun? Ich schütze mich ganz einfach vor überhöhten Preisen. Die meisten Restaurants haben ihre Speisekarte online veröffentlicht. Wenn ich dann schon bei den Vorspeisen nur Preise über 20 Euro sehe – für einfache Vorspeisen – dann ist das nicht mein Restaurant. Dem Wandel meiner Lieblingsadressen zu teuren Nobelrestaurants kann ich nicht entgehen, ich streiche sie frustriert von meiner Liste und gehe zu denen, die wie früher sind – aber die werden leider immer weniger.

Ich glaube, dass nicht wenige Restaurants auf Ibiza und Formentera den falschen Weg gehen und nur noch teuer sind. Als Besucher erwarte ich eine Gastronomie, die zur Insel passt, eine Gastronomie mit Seele und keine Nobelschuppen, die es auch in Berlin, München, Hamburg oder Köln gibt. Uninteressant, jedenfalls für mich – und wahrscheinlich auch für andere. Immer öfter hören wir in der Redaktion Klagen wie diese: „Ich komme nicht mehr nach Ibiza. Zu teuer, zu schick, zu unpersönlich.“ Und dann schwärmen die Leser davon, wie sie früher in einer urigen Strandbar bei Gambas mit Knoblauch und einer Flasche Wein den Sonnenuntergang erlebt haben. 

Genug der trüben Gedanken. Genießen wir den Tag auf unseren Inseln. Die Sonne scheint, es ist herrlich warm und nachher gehe ich essen. Nein, nicht in ein Restaurant, sondern zu einem Grill-Nachmittag bei Freunden. Und darauf freue ich mich.

Genießen Sie den Sonntag, wo immer Sie sind. Und wenn Sie noch ein Lieblingsrestaurant auf Ibiza oder Formentera kennen, das ein bisschen wie früher ist, schreiben Sie mir als Leserreporter eine E-Mail: Restaurants. Ich werde es an unsere Leser weitergeben.

 Herzlichst Ihr Dieter Abholte

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