Auf Ibiza kennt man nicht nur eine Industrie, die sich um Urlauber und deren Bedürfnisse dreht, sondern auch eine, für die man Schornsteine brauchte. Eines der letzten sichtbaren Zeugnisse dieser fast vergessenen Vergangenheit soll nun erhalten bleiben. Fast jeder Inselbesucher ist an dem Ziegelsteinbau schon einmal vorbeigefahren.
Der Inselrat, die Gemeinde Santa Eulària und die Eigentümer der ehemaligen Ziegelei Ladrilleras Ibicencas haben sich jetzt darauf verständigt, den historischen Industrieschornstein der stillgelegten Fabrik zu retten. Bei einer gemeinsamen Besichtigung verschafften sich Vertreter von Behörden und Experten am Dienstag einen Überblick über den Zustand des markanten Bauwerks. Im Anschluss soll darüber beraten werden, wie im Sinne aller Beteiligten weiter vorgegangen wird.
Hintergrund sind erhebliche bauliche Schäden an dem Schornstein, die sich durch die jüngsten Unwetter im Winter weiter verschärft haben. Nach Auswertung der vorliegenden Gutachten seien sich die Fachleute einig, dass eine Sanierung nur in zwei Stufen sinnvoll möglich sei, heißt es aus dem Rathaus.

In einem ersten Schritt soll der Schornstein kontrolliert und teilweise abgetragen werden. Dabei sollen Archäologen und Spezialisten „jeden einzelnen wesentlichen Bauteil“ erfassen, katalogisieren und sichern. In einem zweiten Schritt soll das Bauwerk anschließend originalgetreu restauriert und wieder aufgebaut werden. Ziel sei es, „die Sicherheit mit der Bewahrung seiner historischen und kulturellen Werte in Einklang zu bringen“, erklärten die Beteiligten.
Inselrat richtet neue Förderlinie ein
Der Schornstein steht unter Denkmalschutz und zählt zu den wenigen erhaltenen Relikten der Industriegeschichte Ibizas aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Jahrzehntelang prägte er das Landschaftsbild von Can Clavos an der Abzweigung hinter Ca na Negreta nach Santa Gertrudis. Er steht den Denkmalschützern als Symbol für die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung der Insel. Mit seinem Erhalt solle deshalb auch ein Stück kollektiver Erinnerung an die jüngere Geschichte Ibizas bewahrt werden.
Allen Beteiligten sei allerdings bewusst, dass das Vorhaben „technisch anspruchsvoll und kostspielig“ werden dürfte, teilt die Gemeinde mit. Um ähnliche Projekte künftig zu finanziell zu unterstützen, kündigte der Inselrat an, in Förderprogrammen erstmals eine eigene Förderlinie für das industrielle Kulturerbe einzurichten. Damit sollen Eigentümer historischer Industrieanlagen bei aufwendigen Restaurierungen auf Mittel aus der Politik setzen dürfen.
Der Consell bezeichnet den Erhalt des industriellen Erbes als eine „gemeinsame Herausforderung“, die nur durch die Zusammenarbeit von Behörden und privaten Eigentümern bewältigt werden könne. Die öffentlich-private Kooperation sei entscheidend, um diese Zeugnisse der Inselgeschichte auch für künftige Generationen zu bewahren.





