Die Mietpreise auf Ibiza sorgen kurz vor Beginn der Touristensaison einmal mehr für Empörung. In sozialen Netzwerken und auf Immobilienportalen häufen sich Angebote, die selbst für einfache Unterkünfte ungewöhnlich hohe Summen verlangen – und damit eine Debatte über Wohnraummangel und Missbrauch anheizen.
Besonders viel Kritik zog zuletzt ein Inserat auf Facebook auf sich: Dort bot ein Anbieter ein bestenfalls durchschnittliches Wohnmobil für 1.300 Euro im Monat zur Miete an – „vorzugsweise auf dem Stellplatz, auf dem es bereits geparkt ist“. Laut Anzeige verfügt das Vehikel über zwei Doppelbetten, eine voll ausgestattete Küche mit vier Kochstellen, Backofen und Grill, Klimaanlage, Dusche sowie „alles Notwendige für ein ruhiges Leben“.

In den Kommentaren reagierten zahlreiche Nutzer mit Verärgerung. Einige bezeichneten den Preis als „unverschämt“, andere warfen dem Anbieter vor, die Wohnmisere zur persönlichen Bereicherung zu nutzen. Ein Nutzer schrieb sarkastisch, was andere vermutlich ahnten: „Was für ein Schnäppchen. Und trotzdem wird es so manchen geben, der sich um das Wohnmobil reißt.“
Ein Novum sind derartige Angebote auf Ibiza seit Längerem nicht mehr. Erst kürzlich wurde mit Sa Joveria die größte informelle Siedlung Ibizas geräumt. Gleichzeitig versucht die Stadtverwaltung gegenzusteuern: Fahrzeuge dürfen nur noch maximal drei Tage am selben Ort parken, zudem wurden Höhenbegrenzungen auf Parkplätzen installiert, um Wohnmobile fernzuhalten.
1.700 Euro für Studio
Ein seit Juni geltendes Gesetz sieht darüber hinaus Geldstrafen zwischen 10.000 und 30.000 Euro für Wohnmobile vor, die ohne Campingplatz-Reservierung auf die Insel kommen. Bezahlbaren Wohnraum schaffen diese restriktiven Maßnahmen freilich nicht.
Auf dem regulären Wohnungsmarkt sind die Preise vielerorts explodiert. Auf dem Portal Idealista etwa wurde ein 35 Quadratmeter großes – oder sollte man sagen: kleines – Studio in Sant Antoni für 1.400 Euro zur Sommermiete angeboten. Die Beschreibung: kein separates Schlafzimmer, sondern ein Wohnraum mit zwei Einzelbetten und Bad.
Für den Einzug sind neben der Monatsmiete eine Kaution von 1.700 Euro sowie knapp 1.700 Euro Vermittlungsgebühr fällig – insgesamt fast 4.800 Euro. Die Ausstattung: zwei Betten im Wohnraum, eine Waschmaschine mitten im Zimmer, ein durchgesessenes Sofa und eine kleine Küchenzeile.
Gäste auf der Waschmaschine
Aufgegriffen wurde dieses Angebot von einer Architektin, die unter dem Namen Le petit Patito in sozialen Netzwerken besonders extreme Inserate satirisch kommentiert. In einem Video beschreibt sie die Wohnung ironisch als „monoambiente polivalente“ und spottet über Details wie „zwei Stühle mit fragwürdiger Funktionalität“ oder ein „Sofa im Stil der Silvestershow von 1998“. Auch die „ethnisch anmutenden Tagesdecken“ seien „biizenkischer Luxus pur“.
Die Resonanz im Netzt fällt entsprechend deutlich aus. „Auf Ibiza gibt es etliche solcher Wohnungen zu mieten. Und das ist noch nicht einmal die schlimmste dieser Gattung“, kommentiert ein Nutzer. Ein anderer schreibt: „Wenn du drei Gäste hast, kann einer auf der Waschmaschine sitzen und du oben auf dem Kühlschrank. Luxus.“ Wieder andere äußern grundsätzliche Kritik: „Fast 4.800 Euro, nur um in so ein Loch einzuziehen – wer hat gesagt, Wohnen sei nicht erschwinglich?“
In den kommenden Wochen dürften sich Inserate diesen Zuschnitts häufen. Und trotz einhelliger Kritik werden auch sie ihren Abnehmer finden. Denn die Alternative im sommerlichen Ibiza heißt schlicht: im Zelt oder auf der Straße.





