Am Donnerstagnachmittag brach in einer Erdgeschosswohnung direkt am Strand von Punta Pinet bei Cala de Bou ein heftiger Brand aus. Acht Menschen wurden durch Rauch verletzt. Noch bevor die Feuerwehr eintraf, kämpfte der 40-jährige Senegalese Modou rund eine halbe Stunde mit Feuerlöscher und Gartenschlauch gegen die Flammen und brachte sich dabei selbst in große Gefahr. Einen Tag später spricht nicht mehr nur Cala de Bou über ihn – Modou ist auf Ibiza plötzlich zum Helden geworden.
IbizaHEUTE hatte bereits über den Brand berichtet, der unweit der Bar Freedom und in unmittelbarer Nähe mehrerer Hotels ausgebrochen war. Hätte sich das Feuer auf angrenzende Wohnungen, Fahrzeuge oder die nahe gelegenen Hotels ausgebreitet, wären die Folgen möglicherweise deutlich schwerwiegender gewesen.
Auf Modous außergewöhnlichen Einsatz wurde die Redaktion durch Birgit und Julian aufmerksam, die den Brand miterlebt hatten. Sie berichteten IbizaHEUTE von einem Mann, der ohne Rücksicht auf die eigene Sicherheit lange vor dem Eintreffen der Feuerwehr gegen die Flammen gekämpft hatte.
„Dieser Mann soll unbedingt medial hervorgehoben werden“, schrieben sie an die Redaktion. In einer nahe gelegenen Bar spendierten sie ihm anschließend ein Essen und äußerten die Hoffnung, dass seinem mutigen Einsatz noch weitere Anerkennung zuteilwird.
Einen Tag später machte sich IbizaHEUTE-Reporter Thomas Hofmann auf den Weg nach Punta Pinet.
Als er dort eintraf, war Modou bereits zum gefragten Gesprächspartner geworden: TEF, das Fernsehen von Ibiza und Formentera, interviewte ihn gerade. Auch unter Anwohnern und Urlaubern hatte sich längst herumgesprochen, wer der Mann war, der sich am Vortag den Flammen entgegengestellt hatte.
Immer wieder wird Modou angesprochen. Menschen gratulieren ihm, bedanken sich und möchten Fotos mit ihm machen.
Für viele ist er inzwischen schlicht der Held von Cala de Bou.

„Mein Herz ließ mir keine Ruhe“
Modou verkauft normalerweise Sonnenbrillen am Strand von Punta Pinet. Als er am Donnerstag das Feuer bemerkte, lief er sofort zum brennenden Gebäude.
„Mein Herz ließ mir keine Ruhe“, erzählt er im Gespräch mit IbizaHEUTE.
Zwei Männer waren bereits dabei, mit Feuerlöschern gegen die Flammen vorzugehen. Auch Modou griff zu einem Löscher. Doch das Feuer wurde immer stärker. Daraufhin ließ er einen Gartenschlauch holen und ging damit auf die Terrasse der Wohnung.
Menschen hätten ihm zugerufen, er solle nicht weitergehen. Dort befänden sich Butangasflaschen, die Situation sei viel zu gefährlich.
Doch Modou machte weiter.
„Ich habe in diesem Moment an nichts gedacht“, sagt er. Er habe die vielen Wohnungen, Autos und Hotels in unmittelbarer Umgebung gesehen und nur verhindern wollen, dass sich das Feuer weiter ausbreitet.
Rund 30 Minuten kämpfte er gegen die Flammen. Als die Feuerwehr schließlich eintraf, sei das Feuer nach seiner Erinnerung bereits weitgehend gelöscht gewesen.
Rauch, Hitze und Butangas
Sein Einsatz blieb nicht ohne Folgen. Modou hatte Rauch eingeatmet und bekam anschließend Probleme beim Atmen. Die Rettungskräfte versorgten ihn mit Sauerstoff.
Auch die enorme Hitze setzte ihm zu. „Ich wäre fast verbrannt“, erzählt er. Danach sei er direkt ins Meer gegangen, um sich abzukühlen.
Dass er sich selbst dabei in erhebliche Gefahr brachte, spielt Modou herunter.
Immer wieder sagt er denselben Satz:
„Ich habe es von Herzen gemacht.“
Er habe nicht zuschauen können, wenn etwas Schlimmes passiert. „Wenn ich etwas Schlechtes sehe, muss ich handeln. Mein Herz zeigt mir den richtigen Weg.“
Es war offenbar auch nicht das erste Mal, dass Modou anderen spontan zur Hilfe kam. Bei einer Überschwemmung in Murcia habe er bereits freiwillig geholfen, Häuser von Wasser und Schmutz zu befreien.

Vom Strandverkäufer zum „Helden“
Besonders bemerkenswert ist seine Geschichte angesichts seiner eigenen Lebenssituation.
Modou hat keine feste Unterkunft und schläft nach eigenen Angaben am Strand. Seine Aufenthaltspapiere befinden sich derzeit im Verfahren. Seit rund zwei Jahren wartet er nach eigener Aussage auf die Regularisierung seines Aufenthaltsstatus. Seit mehreren Jahren lebt er in Spanien. Die Sommer verbringt er auf Ibiza, im Winter zieht es ihn nach Jaén, wo er bei der Olivenernte arbeitet.
Als Strandverkäufer wird er auch immer wieder von der Polizei kontrolliert.
Doch seit dem Brand ist selbst dort manches anders.
Ein Polizist habe nach seinem Einsatz zu ihm gesagt, erzählt Modou lächelnd:
„Du bist jetzt kein Strandverkäufer mehr. Du bist ein Held.“
Dass diese Einschätzung inzwischen viele teilen, merkt man schon beim Gespräch am Strand. Urlauber kommen vorbei, erkennen ihn und möchten ein gemeinsames Foto. Modou nimmt die plötzliche Aufmerksamkeit fast ein wenig verwundert hin.
Der Strand ist für ihn mehr als ein Arbeitsplatz
Punta Pinet ist für Modou nicht nur der Ort, an dem er versucht, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er fühlt sich mit der Gegend verbunden und achtet darauf, was dort passiert.
Wenn er beispielsweise sehe, dass jemand etwas stehlen wolle, schreite er ein, erzählt er.
„Wir sind hier, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Wir wollen nichts Schlechtes.“
Vielleicht erklärt genau diese Haltung, warum er beim Brand nicht lange über die möglichen Folgen für sich selbst nachdachte. Ein Mann, der selbst keine Wohnung besitzt und nachts am Strand schläft, riskierte seine Gesundheit, um die Wohnungen, Autos und möglicherweise auch Menschen um ihn herum zu schützen.
Eine Geschichte, die den Blick verändern kann
Modous Geschichte zeigt auch eine Seite der Strandverkäufer, die im Alltag leicht übersehen wird. Viele Menschen nehmen sie vor allem als Verkäufer wahr, die mit Sonnenbrillen oder anderen Waren über die Strände ziehen.
Doch hinter jedem von ihnen steckt eine eigene Geschichte.
Und in diesem Fall war es ausgerechnet ein Mann, der selbst sehr wenig besitzt, der in einem entscheidenden Moment bereit war, sehr viel zu riskieren.
Einen Tag später sitzt Modou wieder an seinem Strand in Punta Pinet. IbizaHEUTE-Reporter Thomas Hofmann kauft ihm zum Abschied noch eine Sonnenbrille ab – eine kleine Unterstützung für den Mann, über den inzwischen nicht mehr nur die Nachbarschaft spricht.
Für Modou selbst war sein Einsatz trotzdem keine Heldentat.
„Ich habe es einfach mit meinem Herzen gemacht.“

Sehen Sie hier das Interview, in dem Modou selbst erzählt, wie er den Brand erlebt hat und warum er ohne zu zögern geholfen hat.
Video: IbizaHEUTE/Thomas Hofmann
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