Architektur

Schäden am Dach: Casa Broner auf Ibiza vorerst geschlossen

Die Casa Broner in Eivissas La Marina-Viertel bleibt vorerst für Besucher geschlossen. Grund sind Schäden an der Bausubstanz, die bei Wartungsarbeiten festgestellt wurden. Nach Angaben der Stadtverwaltung traten „punktuelle Schäden an der Struktur des Gebäudes“ auf. Konkret handle es sich um Risse in der Decke.

Wann das Haus über den Klippen wieder geöffnet werden kann, teilte die Stadt zunächst nicht mit. Die 1960 errichtete Casa Broner gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der modernen Architektur auf den Balearen. Das Gebäude im oberen Bereich des Hafenviertels La Marina entwarf der deutschstämmige Architekt und Maler Erwin Broner als Wohnhaus und Atelier für sich und seine Frau Gisela.

Über die USA nach Ibiza

Heute befindet es sich im Besitz der Stadt Ibiza. Gisela Broner überließ das Haus der Kommune nach dem Tod ihres Mannes. Nach einer aufwendigen Restaurierung unter Leitung der Architekten Isabel Feliu und Raimon Ollé wurde es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit dem Jahr 2000 steht die Casa Broner als Kulturdenkmal unter besonderem Schutz.

Für Broner war das Haus zugleich eine Art architektonisches Manifest. Der 1898 in München als Erwin Heilbronner geborene Künstler hatte Malerei und Architektur in Deutschland studiert. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verließ er 1933 Deutschland und gelangte über die Schweiz und Barcelona erstmals nach Ibiza. Die Insel beeindruckte ihn nachhaltig. Broner dokumentierte die traditionellen Bauernhäuser Ibizas und war fasziniert von ihrer Schlichtheit, Funktionalität und ihrer Anpassung an die Landschaft.

Der Spanische Bürgerkrieg zwang ihn erneut zur Flucht. 1938 ging er in die USA, wo er unter anderem als Fotograf, Dekorateur und Architekt arbeitete und auch an Animationsfilmen beteiligt war. Zugleich blieb er der Malerei verbunden. Nach mehreren Jahren zwischen den USA und Europa kehrte er in den 1950er-Jahren nach Ibiza zurück. 1959 ließ er sich dort gemeinsam mit seiner Frau Gisela endgültig nieder.

Ibiza 59-Gründungsmitglied

In seiner Architektur verband Broner die Prinzipien der Moderne mit den traditionellen Formen der Insel. Seine vom Bauhaus und anderen Strömungen der modernen Architektur beeinflussten Gebäude griffen typische Elemente der ibizenkischen Bauweise auf: klare geometrische Formen, weiße Flächen, lokale Materialien und eine enge Beziehung zur Landschaft. Rund 30 Bauten werden ihm auf Ibiza zugeschrieben. Die 1960 fertiggestellte Casa Broner gilt als herausragendes Beispiel für diese Fusion von Moderne und regionaler Bautradition.

Doch Broners Bedeutung für Ibiza ging über seine Architektur hinaus. Er war eine wichtige Figur des kulturellen Lebens der Insel und gehörte zu den Gründern der Künstlergruppe Ibiza 59. Das internationale Künstlerkollektiv trug dazu bei, Ibiza in den 1950er- und 1960er-Jahren zu einem Treffpunkt der zeitgenössischen Kunst zu machen.

Broner starb 1971. Sein architektonisches und künstlerisches Erbe ist auf Ibiza bis heute sichtbar. Die Casa Broner, die seine Vorstellungen von einer einfachen, funktionalen und zugleich modernen Architektur besonders deutlich verkörpert, gehört zu den wichtigsten Orten, an denen sich dieses Erbe nachvollziehen lässt. Nun muss das Gebäude allerdings zunächst repariert werden, bevor es wieder für Besucher geöffnet werden kann.

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