Auf Ibiza haben am Mittwoch mehrere hundert Menschen ihre Solidarität mit der Exklave Ceuta bekundet. In allen fünf Gemeinden der Insel fanden Kundgebungen statt, bei denen die spanische Regierung wegen ihres Umgangs mit der Migrationskrise scharf kritisiert wurde.
Anlass war der landesweite Día de Ceuta, der das Thema illegale Einwanderung thematisierte. In der spanischen Stadt auf dem afrikanischen Kontinent waren Ende Juli zehntausende Migranten überfallartig eingefallen. Tausende halten sich noch heute in Ceuta auf. Nach Angaben der Guardia Civil beteiligten sich auf Ibiza insgesamt 700 bis 800 Menschen an den Kundgebungen, die vor allen fünf Rathäusern der Insel abgehalten wurden.
Die größte Kundgebung fand vor dem städtischen Verwaltungszentrum Cetis in in der Inselhauptstadt statt. Hunderte Menschen schwenkten spanische und ceutische Fahnen und hielten Plakate mit Aufschriften wie No es izquierdas, no es derechas, es nuestro país. ¡Todos con Ceuta!. (Es geht nicht um rechts oder links, es geht um unser Land. Wir stehen alle hinter Ceuta!). Neben Viva España! und Viva Ceuta! waren auch Rufe gegen Ministerpräsident Pedro Sánchez zu hören.
Der Bürgermeister von Ibiza, Rafa Triguero, verlas ein Manifest des spanischen Städte- und Gemeindebunds. Darin wurde Ceuta angesichts der „massiven und irregulären“ Einreise zehntausender Menschen die „feste und uneingeschränkte“ Unterstützung zugesichert. Die Situation stelle die öffentlichen Dienste der Stadt und zugleich Spaniens Fähigkeit zur Sicherung seiner Grenzen auf die Probe, hieß es. „Ceuta ist nicht allein. Ceuta: Du bist und wirst immer Spanien sein“, sagte Triguero.
Kritik an der Politik
Auch in Santa Eulària, Sant Josep, Sant Antoni und Sant Joan versammelten sich Bürger vor den jeweiligen Rathäusern. In Santa Eulària wurden nach Angaben der Veranstalter rund 300 Teilnehmer gezählt, in Sant Josep etwa 100. Die Bürgermeister der Gemeinden unterstützten die Forderungen nach zusätzlichen Maßnahmen der Zentralregierung.
Für kurzzeitige Spannungen sorgte in Eivissa eine Gegendemonstration von rund 20 Menschen aus dem migrationsfreundlichen Milieu. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie Stop facismo und El Mediterráneo es el cementerio más grande de migrantes de Europa (Das Mittelmeer ist der größte Migrantenfriedhof Europas). Nach scharfen Wortgefechten zwischen Teilnehmern beider Lager griff die Polizei ein und trennte beide Gruppen.
Unter den Teilnehmern gab es zugleich Kritik an der politischen Vereinnahmung der Veranstaltung. Der er rechtspopulistischen Partei Vox wurde vorgeworfen, die Kundgebung für ihre Zwecke zu nutzen. Andere Teilnehmer forderten dagegen ein deutlich entschiedeneres Vorgehen Madrids. Zwei seit zwölf Jahren auf Ibiza lebende Männer aus Ceuta sagten, die Lage ihrer Angehörigen bereite ihnen große Sorgen. „Die angebliche Normalität, von der die Regierung spricht, gibt es nicht“, sagte einer der Männer.





