Nachruf

Tanit ist tot: Ibiza verliert ein Stück seiner Hippie-Geschichte

Ibiza hat am vergangenen Sonntag eine seiner letzten Legenden verloren. Ferdinand Guy Jocelyn, auf der Insel seit Jahrzehnten nur als Tanit bekannt, ist im Alter von 81 Jahren in seinem Haus gestorben. Er war eine der schillerndsten Figuren der Hippie-Ära Ibizas – Barmann, Tänzer, Partymacher und Lebenskünstler.

Nur zwei Tage vor seinem Tod hatte Tanit noch die Llave de Ibiza, den Ehrenpreis des Kulturvereins Asociación de Amigos del Arte de Ibiza y Formentera, entgegengenommen.

Dass sein Tod ausgerechnet auf den 6. September fiel, dem Tag der Göttin Tanit, verleiht seinem Abschied eine besondere Symbolik. Die phönizisch-karthagische Gottheit gilt als Schutzgöttin Ibizas und wird mit Fruchtbarkeit und weiblicher Spiritualität verbunden. Tanit hatte vor Jahrzehnten ihren Namen zu seinem eigenen gemacht. „Die Göttin hat mich auf ihren Namen getauft“, sagte er einmal. „Mein Vater ist die Sonne, meine Mutter der Mond, und ich bin ein wandernder Stern, der durch das Firmament zieht.“

Tanit litt zuletzt an einem unheilbaren Lungenkrebs. Mitte Juni hatte er aus dem Krankenhaus Can Misses über seinen Zustand gesprochen. Eine Chemotherapie und Morphium habe er abgelehnt. Er wolle seine letzten Tage so verbringen, wie er immer gelebt habe – „umgeben von Freundschaft und Zuneigung“. Die Ärzte sollen ihm damals noch rund zwei Wochen gegeben haben.

Bunte Familiengeschichte

Im Rahmen der Auszeichnung vor wenigen Tagen gab Tanit auch ein Interview, das sein letztes sein sollte. „Ich weiß, dass ich gehen muss“, sagte er. Zugleich bedauerte er, die Insel zurücklassen zu müssen – sparte aber gleichzeitig nicht mit Kritik. Inzwischen gebe es dort Menschen, „denen nur das Geld und das Geld wichtig ist“.

Tanit wurde 1945 auf der Insel Martinique geboren. Sein Familienbaum war ungewöhnlich: Sein Vater Franzose, seine Mutter Vietnamesin, sein Großvater ein US-amerikanischer Apache. Die Familie gehörte auf Martinique zu den wohlhabenden Landbesitzern. Er verstand sich als Nomade – und fand auf Ibiza jene Freiheit, nach der er suchte.

Seit den 1970er-Jahren war er fester Bestandteil der schillernden Hippieszene der Insel. Der junge Tanit war schon damals ein Hingucker: Rastalocken, Federn und meist ein Lendenschurz gehörten ebenso zu seinem öffentlichen Bild wie sein athletischer Körper, sein ansteckendes Lächeln und seine Tänze, die an die amerikanischen Ureinwohner erinnern sollten. Dazu kam rasch sein berühmtes Fahrrad, mit dem er praktisch überallhin fuhr.

Ein Joint für Bob Marley

Tanit arbeitete als Barmann und organisierte Partys, unter anderem in der legendären Diskothek KU, im Keeper und im Restaurant Malibu in Ses Salines. Dazwischen mixte er Cocktails im Amnesia und anderen Clubs. Über Jahrzehnte bewegte er sich zwischen Nachtleben, Gastronomie und der internationalen Besucherszene der Insel.

Auch außerhalb der Clubs war Tanit ein vertrauter Anblick. Er spielte leidenschaftlich gerne mit Holzschlägern am Strand von Ses Salines und ging dort rückwärts am Meer entlang. Das sollte dazu gut, seinen „Arsch in Form zu halten, der den Frauen so gut gefällt“, erklärte er einmal. Tanzen, Feiern und Frauen gehörten nach eigener Aussage zu seinen großen Leidenschaften.

Zu seinem Mythos gehörte auch die Begegnung mit Bob Marley, seinem musikalischen Idol. Tanit erzählte, er habe dem König des Reggae bei dessen Konzert in Ibiza 1978 einen Joint geschenkt, damit dieser „gut spielt“. Marley habe ihm dafür eine Feder übergegeben. Diese soll er bis zu seinem Tod stets bei sich getragen haben.

 

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