Sommerfest und 25 Jahre IbizaHEUTE

Editorial von Dieter Abholte: Wie ich es sehe…

Liebe Leser,

Dieter Abholte

wir hatten gestern Abend unser gemeinsames Sommerfest von Casa Colonial und IbizaHEUTE. Rund 400 Gäste feierten mit uns, es war ein wirklich gelungenes Fest. Diese große bunte Party ist seit rund 20 Jahren Tradition. Dieses Mal gab es noch einen zweiten Anlass zum Feiern: unser gemeinsames 25. Jubiläum. Wolfgang Lettner eröffnete vor 25 Jahren das Casa Colonial, und ich brachte die erste Ausgabe von IbizaHEUTE unter meiner Leitung an die Kioske.

25 Jahre! Da darf und sollte man schon mal zurückblicken. Mein Kauf von IbizaHEUTE war eine Entscheidung, die aus dem Herzen kam. Ein Anwalt, den ich von einem großen deutschen Verlag kannte, fragte mich, als jährlicher Ibiza-Urlauber: „IbizaHEUTE ist zu verkaufen. Hast du nicht Lust?“ Meine Antwort: „Ich schreibe für große Magazine, was soll ich mit so einem kleinen Blatt anfangen?“ Seine Antwort: „Mach doch was daraus…“ Und ich übernahm IbizaHEUTE. Es war eine Entscheidung gegen jede wirtschaftliche Vernunft. Wie kann man auf einer so kleinen Insel ein gutes – und damit – teures Magazin machen? Die Antwort: Wir versuchen es. So entstand die neue IbizaHEUTE.

Es war ein schwerer Weg. Wir haben erst im kleinen Familienteam Nächte bis zur Erschöpfung durchgearbeitet. Wir haben nach einer Druckerei gesucht, die die Qualität drucken konnte, die wir benötigten. Auf der Insel gab es die nicht. Aber erst in Deutschland, dann auf dem spanischen Festland. Wir haben viel, viel Geld investiert und wussten: Das bekommen wir nie zurück! Aber meine Familie und ich liebten Ibiza und wollten der Insel etwas von dem zurückgeben, was sie uns seit vielen Jahren gab: glückliche Urlaube, die wir hier sein durften.

Es war die Einmaligkeit von Ibiza und Formentera. Die Törns mit dem Boot aufs Meer, der Bummel durch das Hafenviertel und die Gassen der Altstadt. Die Fahrten mit dem Jeep über wilde Caminos zu kleinen Tiendas. Und dann diese einmalige Mischung der Menschen. Dabei greife ich noch weiter zurück als zur Zeit der Übernahme von IbizaHEUTE. Ich meine die Zeit von 1970 bis 1990. Da gab es neben den liebenswerten und hilfsbereiten Ibizenkos die bunten Paradiesvögel aus der ganzen Welt. Die Hippies aus den USA flohen auf die Insel, um nicht zum Vietnamkrieg eingezogen zu werden. So mancher Deutsche wollte dem Finanzamt entkommen. Einige auch der Konkurrenz im kriminellen Milieu von Hamburger Reeperbahn, Kölner Ganoven-Klüngel oder Frankfurter Bahnhofsviertel.

Von denen hatte manch einer noch seine Walther-PPK-Pistole unter dem Kopfkissen oder gar die Maschinenpistole unter den Pullis im Schrank. Man wusste ja nie, ob die kriminelle Konkurrenz doch mal auftauchte. Beim Finanzamt war man sich da sicher, dass keine Gefahr drohte. Der deutsche Fiskus schickte zwar regelmäßig seine Spione, um zu schauen, ob deutsche Heimathäfen auf dem Heck der Schiffe standen, die wohl mit reichlich Schwarzgeld gekauft worden waren. Aber Zugriff gab es für das deutsche Finanzamt im Spanien Francos nicht. Heute ist das ganz, ganz anders.

Und da gab es die Hippies, die nackt am Strand lagen und ins Wasser flüchteten, wenn die sittenstrenge Polizei auftauchte. Und nicht zu vergessen die Künstler, die Maler und Schriftsteller, die in der Diktatur von Franco auf Ibiza einen Platz fanden, wo die Kontrollen der Geheimpolizei lasch waren. So entstanden übrigens die ersten Musik-Clubs wie „Pacha“ und „Amnesia“ mit von Paris oder London eingeschmuggelten Platten. All die bunten Vögel und die Insulaner lebten friedlich nebeneinander und miteinander. Der Spirit Ibizas war geboren.

Kriminalität? Was ist das? Die Türen abschließen? Wozu, keine Gefahr von Raub oder Diebstahl! Die Polizei musste – außer barbusige Blumenkinder jagen – höchstens mal eingreifen, wenn sich ein paar Burschen beim Dorffest um die schönen Bauerntöchter prügelten. Ja, Schwarzgeldgeschäfte gab es. Das war aber keine Kriminalität, sondern Tradition. Die fingen beim Handwerker an und waren Usus beim Immobilien-Kauf. Das sah dann so aus: Der Notar sagte beim Finca-Kauf: „Ich lasse Sie jetzt für eine Viertelstunde alleine!“ Die wurde dann ausgenutzt, um das Bargeld in der Plastiktüte vom Käufer an den Verkäufer zu übergeben, der in aller Ruhe nachzählte und Scheine stapelte. Wert der Finca: 300.000 Euro. 120.000 standen im Notarvertrag, 180.000 waren im Plastikbeutel – ein Aktenkoffer wäre ja mehr aufgefallen als die Tüte vom Fleischer…

Das Finanzamt zu überlisten war selbstverständlich und ging auch reibungslos. Heute, wo schon beim Abheben oder Einzahlen von 1000 Euro aufs eigene spanische Konto gleich eine Meldung an den Fiskus herausgeht, ist es anders: Das Finanzamt ist präsent – und die Kriminalität ist es auch. Wo der Tourismus viele Millionen bringt, sind auch die Verbrecherbanden mit ihren Drogengeschäften, Einbrüchen und Raubüberfällen da. Doch nicht nur in der Kriminalität hat sich Ibiza verändert, auch in der Bevölkerung. Von damals 80.000 hat sie sich mit 186.000 heute mehr als verdoppelt. Luxus-Restaurants haben Traditions-Adressen verdrängt. Investoren vom Festland oder die Mafia benutzen Lokale und die Vermietung von Sonnenliegen, um viel Geld zu verdienen – oder Schwarzgeld zu waschen. So manches meiner Lieblings-Restaurants hat aufgegeben, aus Altersgründen verkauft oder keinen Nachfolger gefunden.

Ich habe die Veränderungen auf Ibiza vor IbizaHEUTE – ich war 1968 zum ersten Mal auf der Insel – und seit 2001 in den 25 Jahren als Journalist mit erlebt. Es war und ist die Entwicklung vom Geheim-Tipp zum Massen-Tourismus. Der Wandel vom wunderbaren einfachen Leben für alle zur Luxus-Destination für wenige. Dazu die Belastung der Natur mit Hunderten von Yachten in den Buchten von Ibiza und Formentera. Mit den abgeholzten Pinienwäldern, die Platz für Luxus-Hotels machen mussten. Mit der Verschwendung des kostbaren Wassers für Riesen-Pools von Hotels und Villen. Die Umwandlung kleiner, gemütlicher Familien-Pensionen in 5-Sterne-Hotels. Es ist eine Veränderung, die mich nicht glücklich macht. Ich habe viel gegen die negativen Folgen geschrieben, auch darüber, dass Geld wichtiger war, als die Einmaligkeit der Insel zu erhalten. Ich habe mich mit der Politik angelegt…

Doch aufhalten konnte diese Entwicklung niemand. Und die ganze Welt hat sich verändert und verändert sich weiter. Wie wir sehen, nicht zum Guten. Wenn Sie mich fragen: Welches Ibiza wäre dir lieber, das von 2001 oder das von heute? Ich müsste wirklich lange nachdenken. Denn die Veränderung brachte auch Positives mit sich. Die medizinische Versorgung hat sich enorm verbessert, auch die Infrastruktur durch Kläranlagen, Meerwasser-Entsalzungsanlagen, wir haben gute Straßen und schnelles Internet, von beidem kann man in vielen Teilen Deutschlands nur träumen…

Ich will es kurz machen: Ich habe das Ibiza von damals geliebt, aber ich liebe das Ibiza von heute auch. Nicht ganz so, wie das von früher. Aber früher war ohnehin alles besser, weil man Negatives gerne vergisst. Aber ich wüsste keinen Platz auf der Erde, an dem ich lieber leben würde als auf unseren Inseln, auf Ibiza und Formentera. Das ist meine Bilanz nach über 50 Jahren auf Ibiza und nach 25 Jahren IbizaHEUTE. Ich denke, viele von Ihnen teilen meine Gefühle.

Ich wünsche Ihnen allen einen guten Sonntag, bedanke mich auch für die vielen Glückwünsche zu unserem 25. Jubiläum, und danke auch Wolfgang und seiner Casa-Colonial-Crew für die Organisation unseres gemeinsamen Sommerfestes.

Herzlichst, Ihr Dieter Abholte

 

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