Ibizas Busnetz legt kräftig zu

Mehr Busse, mehr Fahrgäste

Nach einem holprigen Start scheint sich das neue öffentliche Busnetz auf Ibiza eingespielt zu haben. Die Fahrgastzahlen steigen kräftig – und auch ein erster Praxistest von IbizaHEUTE Reporter Thomas Hofmann überraschte positiv.

Ibizas öffentliches Busnetz hat in diesem Sommer deutlich an Bedeutung gewonnen. Zwischen dem 1. April und 31. Juli 2026 wurden nach Angaben des Consell Insular insgesamt 3.707.297 Fahrgäste befördert. Das sind 22,37 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres – insgesamt 677.838 zusätzliche Nutzer.

Nach holprigem Start deutlich stabiler

Dabei verlief der Start der neuen Busstruktur Anfang April zunächst alles andere als reibungslos. Ausfälle, Verspätungen und Probleme bei der Information der Fahrgäste sorgten in den ersten Tagen für Kritik. Inzwischen scheint sich das von Alsa betriebene Netz jedoch weitgehend eingespielt zu haben – und gerade in der Hauptsaison wird das deutlich ausgeweitete Angebot stark angenommen.

Besonders eindrucksvoll sind die Zahlen aus dem Juli: Mit 1.218.060 Fahrgästen und einem Plus von 36,49 Prozent war es nach Angaben des Consell der bislang stärkste Monat in der Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs auf Ibiza. Der bisherige Tagesrekord aus dem Sommer 2025 wurde in diesem Jahr bereits 56-mal übertroffen.

Die wichtigsten Verbindungen bleiben die T1 zwischen Sant Antoni und Ibiza-Stadt mit 590.667 Fahrgästen, die T3 zwischen Ibiza-Stadt und Santa Eulària mit 503.868 sowie die T2 über Sant Josep mit 329.410 Nutzern. Die fünf Flughafenlinien kamen zusammen auf knapp 750.000 Fahrgäste.

Auch die Verbindungen zu Stränden und anderen Orten wurden ausgebaut. Allein die Strand- und Nachtlinien transportierten in ihren ersten beiden Betriebsmonaten mehr als 230.000 Menschen. Besonders gefragt waren die Strecken nach Cala Salada, Cala Comte und Cala Bassa.
Damit bietet das Netz auch nachts eine Alternative zum eigenen Auto – etwa für den Weg ins Nachtleben und wieder zurück.

Bei der Präsentation der Zwischenbilanz: Mariano Juan, Inselrat für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur, erläutert die aktuellen Fahrgastzahlen. Foto: Consell de Ibiza

Zusätzliche Busse zur Sonnenfinsternis

Wie wichtig zusätzliche Kapazitäten bei großem Andrang sein können, zeigte sich auch bei der Sonnenfinsternis am Mittwoch. Für die erwarteten Besucherströme wurde das Busangebot verstärkt, insbesondere in Richtung Sant Antoni und zu den offiziellen Aussichtspunkten. Das Angebot wurde rege genutzt – an den Haltestellen in Ibiza-Stadt bildeten sich zeitweise lange Schlangen.

Vom schwierigen Anschluss zum fast nahtlosen Umsteigen

Wie sehr sich das öffentliche Nahverkehrsangebot auf Ibiza verändert hat, zeigt auch ein persönlicher Vergleich. Als ich vor 16 Jahren auf die Insel kam, hatte ich in den ersten fünf Jahren kein Auto und war regelmäßig auf Busse angewiesen. Die großen Achsen Santa Eulària–Ibiza-Stadt und Sant Antoni–Ibiza-Stadt funktionierten schon damals recht gut. Wollte man jedoch weiterfahren, wurde es häufig kompliziert: Anschlüsse waren schwierig, Wartezeiten lang und manche Orte mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur umständlich erreichbar.

Vor Kurzem musste mein Auto – ausgerechnet mitten im Sommer – wieder einmal in die Werkstatt. Nach einem Interviewtermin für IbizaHEUTE in Sant Antoni blieb mir am späten Abend nichts anderes übrig, als den Rückweg nach Cala Martina mit dem Bus zu versuchen.

Also auf gut Glück zur Busstation in Sant Antoni. Dort stand bereits der klimatisierte Bus nach Ibiza-Stadt und fuhr wenige Minuten später ab. Am Hauptbusbahnhof in Ibiza-Stadt am CETIS Gebäude angekommen, wartete praktisch schon der Anschluss nach Santa Eulària. Dort das gleiche Bild: Der Bus Richtung Es Canar über Cala Martina stand bereit und fuhr kurz darauf weiter.

Drei Busse, zwei Umstiege und praktisch keine nennenswerten Wartezeiten. Die Busse waren gut gefüllt – unter anderem mit Beschäftigten auf dem Weg zu ihren Arbeitsplätzen in Clubs wie Amnesia oder UNVRS – doch die Fahrt funktionierte erstaunlich reibungslos. Wider Erwarten kam ich am späten Abend ohne lange Unterbrechungen von Sant Antoni bis Cala Martina.

Natürlich war das kein umfassender Test des neuen Busnetzes, sondern lediglich eine einzelne Fahrt. Doch gerade angesichts der Uhrzeit, der Strecke quer über die Insel und der zwei notwendigen Umstiege war die Erfahrung ausgesprochen positiv und eine deutliche Veränderung gegenüber früher.

Das deutlich ausgeweitete Streckennetz verbindet heute auch viele Strände und abgelegenere Orte der Insel. Foto: Consell de Ibiza

Mehr Fahrgäste, weniger Autos

Auffällig ist auch im Straßenbild, wie viele Busse inzwischen unterwegs sind. Als Autofahrer kann es natürlich manchmal nerven, wenn ein Bus vor einem hält oder der Verkehr kurz ins Stocken gerät. Andererseits zeigt der Blick in die gut gefüllten Busse, welchen Effekt das haben kann.

Nach Berechnungen des Consell entsprechen die zusätzlichen 5.556 Busfahrgäste pro Tag rechnerisch rund 3.700 weniger Fahrten mit privaten Fahrzeugen, wenn von durchschnittlich 1,5 Personen pro Auto ausgegangen wird.

Auch bei den Residenten scheint das Angebot anzukommen: Bis Ende Juni wurden 62,16 Prozent der Fahrten mit Abonnements durchgeführt, lediglich 37,84 Prozent entfielen auf Einzelfahrscheine. Für den Consell ist dies ein Hinweis darauf, dass der Bus für viele Menschen auf der Insel zunehmend zum regulären Verkehrsmittel wird. Hinzu kommt, dass Ibiza-Residenten das gesamte Busnetz weiterhin kostenlos nutzen können.

Dazu kommt, dass Ibiza-Residenten das gesamte Busnetz immer noch gratis in Anspruch nehmen können.

Neue Busse, App und digitale Haltestellen

Auch technisch wird das Netz weiter modernisiert. 67 Busse der neuen Flotte sollen elektrisch betrieben werden. 18 Ladestationen in Cala de Bou sind bereits in Betrieb, weitere 49 Ladepunkte wurden für Ibiza-Stadt beantragt.

Über eine neue App können Fahrgäste die Position der Busse inzwischen nahezu in Echtzeit verfolgen. Die Daten werden alle 30 Sekunden aktualisiert.

Auch die elektronischen Informationssäulen an den Haltestellen werden nach technischen Problemen schrittweise wieder in Betrieb genommen. Rund 100 der sogenannten Totems funktionieren bereits, bis Ende August sollen es 150 bis 160 sein.

IbizaHEUTE testet weiter

Der erste Eindruck in diesem Sommer ist jedenfalls positiv. Selbst eine Fahrt am späten Abend von Sant Antoni über Ibiza-Stadt und Santa Eulària bis nach Cala Martina funktionierte mit zwei Umstiegen und kaum Wartezeit erstaunlich gut.

Natürlich lässt sich daraus noch kein Urteil über das gesamte Busnetz ableiten. IbizaHEUTE wird deshalb das Angebot noch ausführlicher testen – auf verschiedenen Strecken und vor allem auch im Winter. Über die Erfahrungen berichten wir in einer der kommenden Print-Ausgaben.

Mehr Information zum Linienplan und Abfahrtszeiten unter: https://www.alsaibiza.es

Mit dem Bus bis zur Cala Comte – ganz ohne Parkplatzsuche und Parkplatzprobleme. Foto: IbizaHEUTE/Thomas Hofmann

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