Vor der Küste Mallorcas hat sich eine der schwersten Flüchtlingstragödien der vergangenen Monate auf den Balearen ereignet. Nach Angaben der spanischen Behörden starben 17 Bootsmigranten, nachdem ihr Boot rund 15 Tage manövrierunfähig auf dem Mittelmeer getrieben war. Lediglich zwei Männer aus dem Maghreb überlebten die tragische Irrfahrt.
Die beiden Überlebenden wurden nach Behördenangaben gegen 3 Uhr morgens rund 12,7 Seemeilen südwestlich Mallorcas aus dem Meer geborgen. Sie sollen Anzeichen schwerer Dehydrierung und Unterernährung aufgewiesen haben.
Boot vor Ibiza aufgegriffen
Nach ihren Schilderungen befanden sich ursprünglich insgesamt 19 Menschen an Bord der kleinen Flüchtlingsbootes. Während der zweiwöchigen Irrfahrt seien nach und nach 17 Mitreisende gestorben. Ihre Leichen seien im Meer entsorgt worden, sagte die beiden Überlebenden aus.
Alarm ausgelöst hatte nach Angaben der Seenotrettung eine Fähre der Reederei Baleària, die auf der Strecke zwischen Barcelona und Algerien unterwegs war. Daraufhin entsandte die spanische Seenotrettung einen Hubschrauber, der das Seegebiet zwischen Mallorca und Ibiza absuchte. Zudem wurden Schiffe in der Region informiert.
Wenige Stunden später griffen die Behörden eine weitere Flüchtlingsgruppe auf. Gegen 5.15 Uhr wurden 15 Menschen aus dem Maghreb gerettet, deren Boot sich etwa 30 Seemeilen südwestlich von Ibiza befand. An dem Einsatz waren die Seenotrettung und die Guardia Civil beteiligt.
Die Balearen verzeichnen seit Jahren eine steigende Zahl von Bootsflüchtlingen. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums sowie der Regierungsvertretung auf den Inseln erreichten seit Jahresbeginn bereits 211 Boote mit insgesamt 3.935 Migranten den Archipel. Im gesamten Jahr 2025 waren es 401 Boote mit 7.321 Menschen gewesen – rund 24,5 Prozent mehr Migranten und etwa 15 Prozent mehr Boote als im Jahr zuvor.
Prohens nimmt Madrid in die Pflicht
Die Tragödie löste am Dienstag umgehend politische Reaktionen aus. Die konservative Volkspartei PP brachte im Regionalparlament einen Entschließungsantrag ein, mit der sie von der spanischen Zentralregierung einen eigenen Notfallplan für die Balearen fordert. Dieser müsse mit „ausreichenden finanziellen, personellen und materiellen Mitteln ausgestattet“ werden, da der Migrationsdruck inzwischen kein vorübergehendes, sondern ein „strukturelles Problem“ sei.
Die PP-Abgeordnete Cristina Gil warf der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez (Sozialdemokraten, PSOE) vor, die Inseln mit der Situation allein zu lassen. „Wir können keine Migrationspolitik mehr hinnehmen, die auf Improvisation und einem Pull-Effekt basiert und nur den Schleuserbanden nützt“, erklärte sie. Sánchez habe „die Inselverwaltungen, die Gemeinden sowie Polizei und Sicherheitskräfte allein gelassen“ und ihnen Aufgaben aufgebürdet, die in die Verantwortung des Staates fielen.
In ihrer Initiative verlangt die PP unter anderem eine personelle Verstärkung von Guardia Civil, Nationalpolizei und Seenotrettung, den Einsatz der europäischen Grenzschutzagentur Frontex sowie zusätzliche Finanzhilfen für die Inselverwaltungen. Besonders Formentera sei von den zunehmenden Ankünften über das Mittelmeer stark betroffen.





