Vorsicht, wenn Sie mit dem Auto unterwegs nach Ibiza oder Formentera sind. Banden haben einen eigentlich alten Diebstahl-Trick aktualisiert und finden so ihre Opfer. Einer unserer Leser und seine Frau haben es erlebt. Hier ihr Bericht, der andere warnen soll:
Mitte Februar waren wir unterwegs auf der Anreise nach Ibiza und befanden uns auf der Autobahn E 15, in Spanien, in Richtung Barcelona auf der Höhe der Stadt Gerona, als wir auf einen einzelnen Fahrer in einem Audi A 3, der links neben uns auf der Spur fuhr, aufmerksam wurden.
Der Fahrer gestikulierte wild und zeigte mehrmals auf unseren Wagen. Der Fahrer des Audis wurde nicht müde, uns energisch und andauernd zu begleiten, er ließ das Fenster an der Beifahrerseite runter und wir an der Fahrerseite, so dass wir verstehen konnten, dass er die Worte ‚Peligro – Gefahr‘ und ‚Goma – Gummi‘ sagte. Da es sich um einen einzelnen, distinguiert wirkenden Herrn handelte, nahmen wir seine Warnungen sehr ernst.
Der Fahrer überholte uns mit eingeschalteten Warnblinkern und signalisierte uns, ihm nach rechts auf den Standstreifen zu folgen. Dies taten wir, ebenfalls mit eingeschalteten Warnblinkern.
Meine Frau saß auf der Beifahrerseite und stieg aus. Der Fahrer aus dem Audi kam hinzu und machte Ihr nochmals deutlich, dass sie sich den rechten Hinterreifen anschauen müsse. Mit zischenden Geräuschen verdeutlichte er, dass der Reifen Luft verlöre. Der Mann war mittleren Alters, war ordentlich gekleidet, fuhr einen normalen Mittelklassewagen, machte insgesamt einen besorgten Eindruck und war scheinbar alleine.
Der Trickdieb lockte auch mich aus dem Auto
Als der Fahrer dann begann, am Reifen das Ventil abzuschrauben, bat meine Frau mich, ich war bis dahin im Wagen geblieben, hinzu zu kommen.
Wir gestikulierten eine Weile herum, ca. 2 Minuten, stiegen dann wieder in unseren Wagen und wollten weiterfahren, als wir vom Fahrer des Audi aufgefordert wurden, ihm zu folgen. In dem Moment erst bemerkten wir weitere Insassen im Fahrzeug, die sich bis dahin offensichtlich dort versteckt hatten. Einer hielt den Rucksack meiner Frau hoch, der aus unserem Wagen gestohlen worden war sowie unsere Laptoptasche und signalisierte uns ebenso, Ihnen zu folgen.
Wir folgten dem Audi einige 100 Meter, an der Beifahrerseite öffnete sich die Tür und ein Insasse, der sich vermutlich vorher versteckt gehalten hatte, ließ Rucksack und Laptoptasche aus dem Wagen fallen.
Während wir unsere Habseligkeiten auf dem Standstreifen der Autobahn einsammelten, flüchteten die Täter.
Sie warfen Laptop-Tasche und Rucksack auf den Standstreifen
Außer Bargeld fehlte nichts. Direkt haben wir telefonisch die Mossos de Esquadra (Katalanische Verkehrspolizei) verständigt. Wir hatten beim Hinterherfahren ein Video aufgenommen, so konnten wir das Kennzeichen des Täterfahrzeugs angeben. Auch am nächsten Rastplatz trafen wir auf Beamte der Mossos de Esquadra, die sofort das Kennzeichen überprüften und feststellten, dass es sich um ein Mietfahrzeug handelte. Man ließ uns wissen, dass aktuell osteuropäische Banden unterwegs seien und es an diesem Tag bereits weitere Opfer gegeben hatte.
Wir sind bei dem Überfall mit dem sprichwörtlichen „blauen Auge“ davon gekommen, haben uns sehr über uns selbst geärgert, dass wir auf diesen Trick hereingefallen sind und haben uns natürlich im Nachhinein gefragt, warum? Dachten wir doch, dass wir schon von allen Tricks auf Autobahnen, auf dem Weg von und zur Fähre, auf öffentlichen Plätzen etc. gehört hatten.
Die Gründe, weshalb die Diebe Erfolg hatten
- Der ältere, distinguiert wirkende Herr war offensichtlich alleine im Auto und wirkte sehr besorgt. Er wirkte auch sehr glaubwürdig und löste bei uns den Stress einer möglichen Unfallgefahr aus.
- Es war ein Sonntagnachmittag mit wenig Verkehr, es herrschte Tempo 110 km/h, insofern wirkte ein Stop auf dem Seitenstreifen um kurz nachzuschauen, relativ ungefährlich. Sicher hätten wir dies nicht getan, hätten sich mehrere Personen in dem anderen Fahrzeug befunden.
- Zunächst auf Sicherheit bedacht, blieb ich im Fahrzeug, mein Frau stieg auf der Beifahrerseite aus, um das potentielle Problem zu begutachten. Immer noch waren wir sicher der Mann, der sehr geschickt den Stressfaktor aufrecht erhielt, wäre alleine.
- Zu keiner Zeit, bis zur Wiederaufnahme der Fahrt haben wir die Komplizen bemerkt. Dies geschah erst, als Sie uns, aus ihrem Fahrzeug heraus, das Diebesgut zeigten und uns aufforderten Ihnen zu folgen.
- Die Rückgabe des Rucksacks, der Laptoptasche, der Geldbörse ist Teil des Plans, denn natürlich stoppt man auf dem Seitenstreifen nochmals, um sein Hab und Gut aufzusammeln, und natürlich sind danach die Verbrecher auf und davon.
Die Lehre daraus, liebe Leser und Leserrinnen: Niemals, unter keinen Umständen, der Aufforderung Dritter folgen das Auto zu stoppen. Unsere modernen Fahrzeuge haben wahrhaftig ausreichende Überwachungssysteme um uns vor Gefahren zu warnen.
Wir hoffen, wir konnten mit diesem Bericht ein Wenig zu Ihrer sicheren An- oder Rückreise beitragen.
Gleich noch weitere Warnungen:
Auch auf den Warte-Parkplätzen der Fähren in Barcelona oder Dénia lauern immer wieder Gangster-Banden. Sie warten nur darauf, dass die Insassen ihr Auto verlassen, um etwa einen Kaffee zu trinken oder im Hafen-Restaurant zu essen. Dann knacken die Täter die Autos und räumen das Gepäck aus. Oft verwenden Sie den Trick, dass sie das Schließsignal des Schlüssels abfangen und so mühelos die Türen der Wagen öffnen können. Am besten das Fahrzeug nicht verlassen, aber die Türen so verriegeln, dass sie nicht von außen geöffnet werden können.
Wenn Sie aber aussteigen wollen oder müssen: Sollte Ihr Fahrzeug zusätzlich noch mit dem Schlüssel zu schließen sein, verzichten Sie auf die Automatik und schließen Sie mit dem Schlüssel ab. Das gilt übrigens auch für die Strand-Parkplätze auf den Inseln. Auch dort lauern solche Banden, die elektronische Schließsignale abfangen und dann das Auto öffnen, wenn die Insassen am Strand sind. Selbst einer unserer Fotografen wurde Opfer der Methode. Seine Kamera und seine Drohne wurden gestohlen, die scheinbar sicher im Kofferraum verstaut waren …





